Band 
Erster Band.
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Preiissiaches Seidengewerbe.

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des sogen, „fünften Departements für Commercien und Manufacturenv. Marschall, versuchte die Wiederbelebung der Seidenzucht, die er unteranderem in den Waisenhäusern betreiben liess. Freilich gaben diese Mafs-nahmen und auch die pekuniäre Unterstützung des Staates dem Seidengewerbenicht den erhofften Aufschwung, doch war, als v. Marschall 1749 starb, einbedeutender Fortschritt zu verzeichnen. In Berlin arbeiteten schon ca. 1000Stühle, in Potsdam 100—200. Der Seidenbau erstreckte sich zuerst nurauf die Kurmark, seit 1750 dehnte er sich auch auf Pommern , die Neu-mark, Magdeburg und Halberstadt aus, wo zumeist Geistliche und Schul-lehrer sich damit befassten. Für besondere Erfolge wurden Prämien aus-gesetzt, und eine Anzahl von „Plantageninspektoren“ beaufsichtigte diein stetigem Wachstum begriffene Kultur. So gab es zu Beginn dessiebenjährigen Krieges 100000 ertragsfähige Bäume; die Seidenproduktiou be-trug 1754 schon 2637 Pfund, von welchen die Kurmark allein 1835 Pfundgeliefert hatte. Die einheimische Seidenweberei wurde gleichzeitig durch Mar-schall, Gotzkowsky und schliesslich den König selbst unterstützt unddurch grosse Zölle, sowie 1756 durch das endgiltige Einfuhrverbot aller frem-den Seiden waren und die Ausfuhrprämien von 4—8% in ausserge wohnlicherWeise zu fördern gesucht.

Der siebenjährige Krieg berührte naturgemäss auch die Seidenindustrie,welcher noch schlimmerer Schaden durch finanzielle Krisen im Auslandeund die Bankerotte inländischer Seidenmanufakturen zugefügt wurde. Diedurch den König veranlassten Mafsnahmen hinderten jedoch ihren gänz-lichen Stillstand. Diese Mafsnahmen bestanden in der Regelung des Verhält-nisses zwischen den Verlegern und den Meistern, der Einrichtung eiues Ge-werbegerichtes sowie der Gewerbepolizei, der Arbeiterentlassungsscheine und derAufstellung eines Reglements für die Seidenfabriken, das nach dem Vorbildedes in Lyon geltenden entworfen war. Auch pekuniäre UnterstützungenHess der König dem Seidengewerbe zu teil werden; dahin gehört zunächste 'n Zuschuss von 10 °/ 0 für alle auf der Frankfurter Messe verkauftenWaren, und später eine Prämie von 8% des Wertes für die produziertenlrn „bureau du poids des soieries“ gewogenen, auf ihre Güte geprüftenSeidenzenge. Die Konterbande und sogar die Einfuhr der Hamburger undCrefelder Waren wurde streng überwacht. Durch Einrichtung sogenannterSeidenmagazine sollte der Fabrikation die Beschaffung des Rohmaterials,das vom Staate aus Italien bezogen wurde, erleichtert werden. Unter denStaatsmännern bestand zur Zeit eine scharfe Meinungsverschiedenheit, diedurch die dabei beteiligten Parteien der Fabrikanten einerseits, und derSeidenkaufleute andererseits zu einem erbitterten Kampfe geschürt wurde.Es wurde vorgeschlagen, die Einfuhr fremder Seidenfabrikate freizugeben,dieselbe jedoch mit hohen Abgaben zu belasten; die Unzulässigkeit dieserM&fsregel unter den damaligen Verhältnissen wurde jedoch bald er-kannt , denn bei hoher Veranschlagung der Einfuhrzölle würde derSchmuggel beträchtlich gefördert, bei niedriger ihr eigentlicher Zweck ver-