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Preussisches Seidengewerbe.
fehlt worden sein. Die andere Partei, welcher mehr Erfolg beschieden war,verfocht die Erlangung eines gänzlichen Einfuhrverbots *).
Das Verbot der Einfuhr fremder Fabrikate rief natürlich auch in denNachbarstaaten, besonders in Sachsen und Österreich , gleiche Mafsregelnhervor. Österreich verbot 1765 die Einfuhr fremder Seiden waren, weilMaria Theresia damals in ähnlicher Weise wie Preussen, die inländischeSeidenindustrie zu fördern suchte. Die andauernde Fürsorge, welche Fried-rich der Grosse dem Seidengewerbe widmete, war jedoch keine Nach-ahmung, sondern ein Ausdruck der allgemein merkantilischen Bestrebungenund Ziele seiner Gewerbepolitik, die auf die Erweckung und Ausnützungaller produktiven Kräfte des Landes ausging. Seine handelspolitischenMafsnahmen zeitigten auch alsbald die Erscheinung, dass die fremden Fa-brikate allmählich vom Markte verschwauden. 1772 waren auf den Messennoch au 660000 Ellen fremder Fabrikate verkauft worden, zehn Jahrespäter war es nicht mehr ein Drittel davon, während der Absatz einheimi-scher Waren von 235000 Ellen auf 456000 gestiegen war. 1775 warenin Potsdam 118 Seiden- und 55 Sammetwebstühle in Thätigkeit, 1780144 und 73; in Berlin arbeiteten 1783 deren 2316.
Zu Beginn der achtziger Jahre geriet der Absatz und somit auch dieFabrikation aus mannigfachen politischen Gründen (u. a. Verbot Dänemarks ,fremde Seidenfabrikate einzuführen und verminderter Absatz nach Russland und Polen ), sowie infolge von Arbeiterunruhen in Stockung.
Trotz aller staatspolitischen Mafsnahmen Friedrichs des Grossenkonnten die Preise der Seidenstoffe infolge des teuren Rohmaterials und derhohen Arbeiterlöhne mit den französischen nicht in Konkurrenz treten. Nachund nach entwickelten sich jedoch zugleich mit der Fabrikation teurer Gewebeauch die Halbseidenindustrie und die Specialgewerbe, wie die Gazeufabriken,Strumpfwirkereien, Bandwebereien, Blonden- und Spitzenfabriken, Stickereienu. s. w. In den Seidenmanufakturen der Kurmark waren gegen Ende derRegierung Friedrichs des Grossen (1785) 2935 Stühle thätig, auf denenfür 2197734 Thaler produziert wurde; in denen der östlichen Provin-zen, ausschliesslich Schlesiens, 3122 Stühle mit einer Produktion von2302507 Thalern. Das Herzogtum Magdeburg kam mit 152 Stühlen undeiner Produktion von 93691 Thalern in Betracht. In den anderen Provin-zen war das Seidengewerbe unbedeutend: in Stettin und Königsberg wurdenBänder, in Schidlitz bei Danzig seidene Schärpen, in Schlesien Bänder undPosamente, und in Berlin specielle nach dem Crefelder Muster gewebteBänder gefertigt.
Die Seidenkultur wurde weiter in jeglicher Weise gefördert, sowohldurch Anlegung von Maulbeerplantagen, wie durch Prämien, so dass derErtrag von 2540 Pfund i. J. 1765 auf 11500 Pfund i. J. 1782 stieg. 1773wurden in Preussen 653329 Maulbeerbäume zur Seidenkultur herange-