Bedeutung der Färberei und der haute lisse.
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deutend grösserer Gestalten, deren Konturen sozusagen in die Augensprangen, während man später, nachdem zu der Taffetbindung noch Atlas,Köper und Sammet hinzugekommen waren, selbst kleine Flächengebildelediglich durch eine andere Textur scharf voneinander abzugrenzen vermochte.
Die Behauptung, dass die Färberei auf die Art der Musterung undauf die Stilisierung Einfluss geübt habe, wäre wohl etwas gewagt; dass sieaber eines der wichtigsten Hilfsmittel zur Gestaltung der letzteren bildete, istunbestritten und ebenso erklärlich, wie dass der zielbewussten Polychromiein den Zeiten des Stilverfalls die Retterrolle zufiel, ist der Umstand,dass unter der Voraussetzung der Möglichkeit einer naturalistischen Richtungin der Anfangsperiode, dieselbe aus dem einfachen Grunde nicht eingeschlagenwerden konnte, weil die zu solcher Darstellung unentbehrlichen zahlreichen undlebhaften Farbenuuancen nicht zur Verfügung standen. Als nun im Laufeder Zeit und durch die stetig fortschreitende Technik der Webe- und Färbe-kunst beliebige Linien- und Toneflekte hervorgebracht werden konnten, tratallmählich eine der natürlichen Erscheinungswelt mehr angepasste Stilrichtunghervor, besonders als die ,haute lisse 1 an Stelle der schematisierenden, einKunstverständnis weniger erfordernden Weberei mit der horizontalen Kette,speciell für die Meisterwerke getreten war und in der Gobelinweberei, diesich ein getreues Kopieren der Natur zur Aufgabe stellt, ihren Gipfelpunkterreichte. Man wird mit einer gewissen Bestimmtheit als erwiesen behauptenkönnen, dass die Gewebemusterung einen Entwickelungsgang durchgemachthatte, der darauf hinausging, unter Beibehaltung der tonangebenden Stil-richtung der Epoche in der realistischen Ornamentik aufzugehen. In demMafse, wie die Textiltechnik fortschreitet, zeigt sich der merkwürdige Über-gang von der zwar lebendigen, aber formenschweren Tierornamentik zur zier-licheren, farbenreicheren Pflanzenwelt, die schon deswegen ein willkommenesObjekt bot, weil sich ihre Motive für eine freier stilisierende Schaffenskraftder Ornamentkünstler ganz besonders eigneten.
Wir gelangen nun zu der Frage, was als charakteristisches Merk-mal unserer eigenen Kunstepoche aufzufassen sei, und welche Grundregelnfür eine zeitgemässe, stilgerechte Musterung zu befolgen wären. Es maggleich bemerkt werden, dass dieses Thema insofern keinen dankbaren Gegen-stand für ästhetische Erörterungen bietet, als es zu vielfachen Kontroversengeführt hat. Wie wenig aber überhaupt eine Theorie für oder gegen einebestimmte Auffassung der Stilgerechtigkeit zum Ziele führen kann, gehtschon daraus hervor, dass sie, als der Phantasie und Natur zugleich ent-stammend, auf unser Empfinden wirken soll und sich keinesfalls für einekleinliche Zerfaserung mit dem Verstände eignet. Die Realisten sprechen denfrüheren Stilrichtungen jedes Recht auf Berücksichtigung in der modernenOrnamentik ab und erstreben lediglich die Verwendung von Naturvorbil'dern. Wiewohl dies auch, als gewissermafsen hervorgehend aus dem Geisteder jeden Rückblick auf die Vergangenheit und ihr unbeholfenes Schaffenverpönenden, rastlos vorwärts strebenden Epoche eigentlich berechtigt er-