248 Geographie und Statistik der Seidenkultur. Asiat. Russland .
gegenwärtig dank der ihr zu Teil werdenden Unterstützung der russischen Re-gierung, die zahlreiche bakologische Stationen anlegt und den Unterricht imSeidenbau in den Volksschulen vornimnit, wieder auf dem Wege zum Fortschritt.Auch die Bestrebungen energischer und bemittelter Privatindustrieller, sowiedie bakologische Versuchsanstalt und Aufzüchterei zu Tiflis befördern dasAufkommen der Seidenkultur, der auch die klimatischen Verhältnisse zu stat-ten kommen. Der Maulbeerbaum ist überall in wildem Zustande zu finden,und nur selten sieht man künstlich angelegte Plantagen. Zum grösstenTeil sind es sunnitische Mahomedaner, die sich der Seidenzucht gewidmethaben. — Die Geschichte der Rassenveränderung ist sehr lehrreich. In altenZeiten zog man im Kaukasus mehrere Rassen kräftiger Würmer mit gelbenund weissen Kokons und flaumiger Seide, unter anderen tatarische undlesglnsche (georgische) Rassen von Schirvau und Dagestan . Die Kokonsder tatarischen Rasse waren sehr gross; sie hatten 6,25 cm Länge und3,2 cm Durchmesser. Indes wollte man reichlichere Erträge und acclima-tisierte eine mailiinder Rasse. Man kreuzte dieselbe mit den einheimischenund widmete sich Ende 1860 der Graiuierung, die bald einen solchen Mafsstaberreicht hatte, dass sie im Jahre 1864 eine Höhe von 40000 kg Raupen-eier ergab. Aber schon 1866 war diese Quelle versiegt und die altenRassen verloren; die Epidemie wütete allerorts. Man wandte sich nun, wieüberall, der japanischen Rasse zu. Die hauptsächlich kultivierte Rasse istdie im Lande reproduzierte grüne japanische, der sich die gelben franzö-sischen und italienischen, jedoch nur zum geringen Teil, anreihen. Auf dieeinheimische legt man kein besonderes Gewicht und die typische weisseKorassenrasse scheint durch fortwährende Kreuzung mit der japanischenvollständig degeneriert zu sein. Seit einigen Jahren hat aber auch dieweisse bagdadische Rasse sehr beträchtliche Aufnahme gefunden. Nukha-distrikt im Gouvernement Elisabethpol ist das wichtigste Centrum kauka-sischer Seidenzucht. In den Jahren 1858—1865 hat dieser Rayon Frank-reich und Italien mit Raupeneiern gelber Rasse versehen; über 30000 kgRaupeneier sind im Jahre 1863 allein ausgeführt worden. Von 1850 bis1863 wurden im Kaukasus durchschnittlich 550—600000 Pud, = 9—10000000 kg Kokons geerntet. Von diesem Zeitpunkt an verfiel dieeinheimische Rasse stetiger Dekadenz, trotz der Bestrebungen, sie durchfranzösische Rassen zu verstärken. Nach erfolglosen Versuchen mit denRassen von Khiwa und Vardanzy wandte man sich, wie gesagt, der jap»"nischen zu, die auch mit Erfolg reproduziert wurde, doch wird jetzt dieletztere allmählich durch die gelbe und weisse bagdadische ersetzt, vondenen speciell Brussa sich besonderer Beliebtheit erfreut. Die Produktiondes Kaukasus belief sich, gegen eine Durchschnittsernte von 3,2—3,5 Mil"lionen kg in der Periode von 1870—1880, auf:
1886 2457000 kg
1888 1820000 „
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