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Erster Band.
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Geographie und Statistik der Seidenkultur. Centralasien.

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1890 2780000 kg

1893 2800000 „

Nach gewissenhaften Erhebungen wird die gegenwärtige Durchschnitts-produktion des Kaukasus auf 300—350000 Puds oder 5—6 Millionen kgKokons geschätzt, die indessen eine nur geringe Ausbeute an Grege (30 : 1)liefern. Die Ernte wird teils im Lande verarbeitet, teils nach Moskau aus-geführt.

Die Wichtigkeit Centralasiens für die Seidenkultur wird meistenssowohl in qualitativer wie quantitativer Hinsicht unterschätzt. Die hier inBetracht kommenden Länder umfassen einen Raum, der das zehnfache desvon der Seidenkultur in Europa eingenommenen beträgt. Sowohl im rus-sischen und im chinesischen Turkestan , wie in den kleineren Staaten Mittel-asiens, wird die Seidenzucht regelmässig und eifrig betrieben. ZahlreicheFlüsse ziehen von den Gebirgen hinab und bilden weite, sehr fruchtbareThiiler. Man findet hier fast überall den wilden Maulbeerbaum, die M. albaund M. nigra, vorwiegenderweise den letzteren. Auch wilde Maulbeerraupenwaren in den centralasiatischen Gebieten einheimisch. Wir wissen, dass dieregelmässige Seidenkultur zuerst nach Khotan gebracht wurde; die weiterenGeschicke der Seidenzucht dieser Länder sind uns jedoch grösstenteils unbe-kannt; wahrscheinlich ist, dass bis zum Ausgange des XIII. Jahrh. die politi-schen Wirren auf dieselbe störend einwirkten. Unter dem Einfluss des italieni-schen und russischen Handels kam das Gewerbe empor, behauptete sich einigeZeit, bis zum Aufkommen der abendländischen Seidenkultur, und sank dannauf die frühere Höhe der Hausindustrie zurück. Erst im XVIII. Jahrh.sind erneute Versuche gemacht worden, die Kulturen zu erweitern. Unge-achtet der Unsicherheit und der Armut, wird fast in allen Thälern, dieini allgemeinen sehr fruchtbar sind, der Maulbeerbaum gepflegt und derSeidenwurm aufgezogen. Die europäischen Graineurs unternahmen mehrereExpeditionen in diese fruchtbaren Gegenden, und 1863 wurden bekanntlichdrei solche Italiener zu Bukhara dreizehn Monate in Gefangenschaft ge-halten. Trotz der Kräftigkeit der Rassen ergaben die turkestanischenKaupeneier in Europa keine guten Resultate. Für die Grainierung werdendiejenigen Kokons reserviert, deren Form als die regelmässigste und deren Ober-fläche moiriert erscheint, weil diese am seidenreichsten sind. Nicht nur in Tur -hestan allein, sondern fast bei allen Völkern Centralasiens befolgt man die aufei »er alten Überlieferung begründete Gewohnheit, alle drei oder vier Jahred'e Raupeneier zu erneuern und frische Grains aus entfernten Orten zubeziehen. Man züchtet hauptsächlich einjährige Rassen mit gelben, weissenand grünen Kokons, von denen einige italienischen Ursprungs sind. Dieehemalige Bukhararasse ist noch nicht gänzlich eingegangen; bei der Aus-heilung in Wien 1873 war dieselbe durch gelbe Seiden vertreten. Diese ein-arntige Rasse unterscheidet sich von den Rassen Chinas und Kaschmirs.

111 Khanat von Khiwa erntet man gelbe und weisse Kokons zweierlei Rassen,