Die wilden Seiden. Vorkommen und Lebensweise.
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Aufschwünge beigetragen, welchen der Verbrauch wilder Seiden seit jener Zeitaufzuweisen hat. Die Industriellen wandten sich alsbald mit Interesse derVerwertung dieses schönen, bei weitem billigeren Faserstoffes zu, von dem sieannahmen, dass er die Vorherrschaft der echten Seide bald mehr oder we-niger verdrängen würde. Die Klassifizierung der wilden Seidenspinner inder Entomologie, die Zucht derselben und die Verwendung ihrer Produktewurden studiert, um deren Einführung in die Industrie zu erleichtern.Namen wie ßondot, Roxburgh, Wailly, Hutton, Wardle, Guerin-Meneville, Moore, Birdwood, Personnat, Geoghegan, Girard,May ne u. A. sind mit den Verdiensten um die industrielle Verwertungwilder Seiden unzertrennbar verknüpft. Diese Forscher wandten einerseits denschon bekannten Seidenspinnern ein unermüdliches Interesse zu, und suchtenandererseits nach neuen Gattungen, die in den meist natürlich und kulturellunzugänglichen Gegenden der neuen und alten Welt, in den einsamenWäldern, ihr Naturprodukt, die wertvollen Kokons, erzeugten, welche unter derEinwirkung der Nässe gewöhnlich der Fäulnis anheimfielen. Unsere Kenntnissüber den Gegenstand ist zwar noch ziemlich mangelhaft, alles aber scheint da-rauf hinzudeuten, dass in dem Studium, sowie in der Aufzucht wilder Seidenspin-ner und der Verarbeitung ihrer Produkte einer der aussichtsreichsten Zweige dermodernen Textilindustrie gesehen werden kann. Auf der Pariser Ausstellung1878 wurde in der indischen Sektion, neben den von Gold und Edelsteinenstrotzenden Seidenbrokaten, eine bescheidene, wenig Aufsehen erregende Kol-lektion indischer wilder Seidenspinner und ihrer Produkte zuerst der Öffentlich-keit vorgeführt; der Aussteller, Th. Wardle, war einer der ersten, der diepraktische Bedeutung dieser Klasse der Textilfasern vorausgesehen und sichum deren Einführung in die Industrie verdient gemacht hat.
Die wilden Seidenspinner werden im eigentlichen Sinne des Wortesniemals gezüchtet, nur einige besonders geschätzteArten werden durch vorsorg-liche Mafsregeln oder durch Überwachen der durch das Verweilen im Freiendrohenden Gefahren, gegen die Witterung, Raubtiere und Vögel geschützt;diese Arten werden als halbwilde oder auch halbgezüchtete bezeich-net. Die meisten leben dagegen in den Wäldern in vollständig natur-wildem Zustande und sind im allgemeinen au keine bestimmte Nährpflanzegebunden, obwohl bekannt ist, dass von den letzteren, je nach der Gegend, dieeine oder die andere von der betreffenden Raupe bevorzugt wird; so frisstz. B. Actias seleue in Pondicherry mit Vorliebe von Odina wodier, in Mus-sorien dagegen von Coriaria nipalensis. Merkwürdigerweise kann sich derAttacus atlas, ein in der Auswahl seiner Nahrung wenig anspruchsvoller"Wurm, in Mussorien nicht an die Berberis asiatica gewöhnen, von welcherer in Kumaon mit Vorliebe frisst 1 ). Andererseits kann wieder der Aylan-