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Die wilden Seiden. Eigenschaften.
thusspinner Chinas , welcher daselbst ausschliesslich von Aylanthus glandu-losa frisst, im Himalayagebirge mit vielen anderen Pflanzen, u. a. mit Cori-aria und Xantoxylum genährt werden.
Die Erzeugnisse der wilden Seidenspinner, die Kokons, weisen in ihrerStruktur selten die Regelmässigkeit der Maulbeerkokons auf. Die meistenRaupen unterbrechen wiederholt den Spinnprozess und erzeugen so mehrereFäden, die sie miteinander unentwirrbar verkreuzen; auch werden von ihnenZweige und Blätter mit in die Gespinste eiugeflochten. Es entsteht aufsolche Weise ein Kokon, der sich nur schwer abhaspeln lässt oder auchgänzlich unentwirrbar bleibt und aus diesem Grunde früher als zurSeidengewinnung durchaus unbrauchbar erklärt wurde. Dieser voreiligeSchluss war um so befremdlicher, als man sich leicht davon hätte über-zeugen können, dass solche wilde Kokons in ihrer Heimat verwertet, d. i.in den meisten Fällen wie Hanf verzupft und versponnen werden. Erstdie Ausdehnung des Listerscheu Verfahrens der Verwertung von Abfäl-len echter Maulbeerseide, durch Krempeln oder Kämmen und Verspinnen,auch auf die wilden Kokons, brachte die schon in Stockung geratene In-dustrie der letzteren auf ganz andere Wege, welche auch bald zu be-achtenswerten Resultaten führten. Man kann behaupten, dass der Ver-brauch der wilden Kokongespiuste zum Zweck des Verzupfens grösser ist,als die übliche Verarbeitung durch das Abhaspeln. Ein grosser Teil desin der heutigen Florettspinnerei verarbeiteten Rohmaterials besteht auswilden Kokons, welche sich so völlig für diese Verarbeitungsweise eignen,dass der Preis der gesponnenen wilden Seide mit dem der gehaspeltengleichsteht und ihn sogar übertrifl't.
Die wesentlichen Vorzüge der wilden Seiden sind folgende:
1. ihre Dauerhaftigkeit infolge der eigenartigen Strukturverhält-nisse, auf die wir noch zurückkommen werden,
2. ihr verhältnismässig billiger Preis und
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3. die grosse Ausgiebigkeit, bedingt durch die Grösse und Üppig"keit der Kokons, sowie durch die schnelle und billige Aufzucht.
Ausserdem haben sich die wilden Seiden für gewisse Zwecke, wie Fan-tasie-, Posamentier- mul Möbelartikel nicht nur als leidliches Surrogat fürdie echte Seide, sondern als geradezu unersetzbar erwiesen. Aber auchhier, wie überall, giebt es Nachteile, die jetzt zwar grösstenteils über-wunden sind, anfangs, aber wohl kaum hoffen Hessen , die wilden Seiden,was Glanz und Schönheit anbetrifft, der echten Maulbeerseide jemals andie Seite stellen zu dürfen. Fast alle wilden* Seiden sind von Naturaus dunkel gefärbt; diese Färbung lässt sich indessen, im Gegensatz®zu der echten Seide, durch Abkochen nur teilweise entfernen und kannnur durch einen ziemlich kostspieligen Bleichprozess beseitigt werden-Ausserdem enthalten die unter dem allgemeinen Namen Tussah verkom-menden Seidenarten zuweilen einzelne Stränge von sehr verschiedener Her-kunft, welche sich gegen die Entbastungs- und Bleichmittel verschiedenartig