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Antheraea Pernyi.
Das Backen der Kokons geschieht in üblicher Weise durch Wasser-dampf, wonach sie sofort abgehaspelt werden; die trocken gewordenenwerden vor der Verarbeitung nochmals in warmem Wasser aufgeweicht, wasallerdings fast stets geschehen muss, denn Mengen, wie hier zur Ver-arbeitung gelangen, können nicht auf einmal verhaspelt werden. DiePuppen, welche nach dem Abhaspelu Zurückbleiben, dienen den ärmerenVolksmassen als Nahrungsmittel; deren Preis beträgt ca. 10 Pfennig für dashalbe kg.
Der allgemeinen Ansicht entgegen sind die Eichenkokons nicht gänzlichgeschlossen; gegen das Ende, wo der Kokon am Blatte befestigt ist, lässtdie Raupe beim Spinnen eine kleine Öffnung frei, die ihr das spätere Aus-schlüpfen erleichtern soll; diese Öffnung wird in der Weise erzeugt, dass
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Fig. 162. Kokon der Anth. Pernyi.
Fig. 163. Mikrosk. Bild der Eichenseide.
die Eichenraupe, ähnlich wie die Attacus-, Actias- und Philosamiaarten, injeder Fadenlage des Gespinstes an dessen oberem Ende ein Loch zurück-lässt, indem sie den Faden in Form von Maschen, die mit ihrer konvexenSeite der Öffnung zugekelirt liegen, zusammenwindet und die letztere in Gestalteines Trichters anordnet. Bei oberflächlicher Betrachtung verrät sich die Öff-nung nicht, der Kokon zeigt aber an der betreffenden Stelle eine rohe und faltigeBeschaffenheit; unter Umständen ist das Loch indessen so gross, dass dasAbhaspeln in der sonst gebräuchlichen Art, d. i. im Haspelbecken, infolgedes Untersinkens der Kokons unmöglich 1 wird. Die Frühlingskokons be-sitzen dagegen nur eine kleine oder gar keine Öffnung und werden, nachdemsie durch Kochen in Wasser, welchem etwas Buchweizenasche zugesetztwird, erweicht worden sind, wie üblich, auf dem Wasser schwimmend ab-gehaspelt. Das Abhaspeln geschieht infolgedessen in den beiden ProvinzenShantung und Shenking auf verschiedene Weise, trocken und nass, wobeidas erstere Verfahren hei weitem öfters angewendet wird 1 ).
') Fauvel, The wild silkworms of the province of Shantung. 1877. S. 18.