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Erster Band.
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Antheraea Pernyi.

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Das trockene Abhaspeln besteht darin, dass die Kokons kurze Zeit ineiner starken Lösung von Soda oder Salpeter und Aschenlauge eingeweichtund dann auf einer sogenanntenuso doppio-Tafel (zum Abhaspeln derDoppelkokons) ohne Anwendung von Flüssigkeit abgewickelt werden. Nacheinem anderen Verfahren erweicht man die Kokons in einer Eichen-rindenabkochung, was allerdings die natürliche Farbe* des Produktes nochmehr verdunkelt, und setzt sie, nachdem sie in Körbe eingepackt wordensind, heissen Wasserdämpfen aus, die den Bast und Klebstoff so erweichen,dass das nachträgliche Abhaspeln oder Abwickelu des Kokonfadens auchin trockenem Zustande leicht vor sich geht. Die in Frankreich in dieserRichtung angestellten Versuche ergaben ebenfalls sehr befriedigende Resul-tate, so dass man das Abhaspeln offener Kokons als im Prinzip gelöst be-trachten kann. Der Seidenhaspel zeigt in Shenking die allereinfachsteKonstruktion, auch das Spinnrad, welches zur Verarbeitung der Flockseideund Abfälle dient, hat die übliche primitive Form, wie sie bis zur Erfin-dung der Spinnbänke für Leinen etc. überall üblich war.

Die Gregen (Rohseiden) bester Qualität werden aus 812 Kokons er-zeugt, gute Sorten sind aus 16 zusammengesetzt, während die minder-wertigsten Produkte aus 2025 und mehr Kokonfäden bestehen. Die roheGrege ist zuweilen mit Salpeter erschwert, in dessen Lösung die Kokonsbekanntlich gekocht werden, und enthält die Gerbstoffe, Farbstoffe undLeim aus den zu demselben Zweck angewandten Pflanzenlaugen; der inder Faser enthaltene Salpeter verleiht ihr als ein, nebenbei bemerkt, sehr hy-groskopisches Salz während der feuchten Witterung eine nicht unbedeutendeGewichtszunahme. Die rohe chinesische Tussah verliert beim Abkochennur wenig von ihrer dunklen Färbung und nimmt ausserdem nur schwereine dauerhafte Nuance an, vielleicht aus dem Grunde, weil die beider Einweichung der Kokons benutzten alkalischen und salzhaltigen Lösungendie Absorptionsfähigkeit der Faser beeinträchtigt haben. Indessen ergebendie Kokons, nach europäischem Verfahren in einer Mischung von Sodaund Glycerin vorbehandelt und verhaspelt, nach dem Abkochen ein bedeu-tend helleres Produkt.

Wie schon erwähnt, liefert die Frühlingsernte Produkte von bedeutendbesserer Beschaffenheit und erfolgt aus diesem Grunde das Abhaspeln imFrühling und Sommer, während die Verarbeitung minderwertiger Kokons aufdem Spinnrade vorwiegend im Herbst vor sich geht.

Die Tussahhasplerei hat in Shenking einen specifisch hausgewerblichenCharakter, während grössere Etablissements nur auf Anregung und Kostender Europäer angelegt werden. Die Zubereitung von mulinierten (gezwirnten)Seiden, Trame und Organzin, ist noch sehr mangelhaft, weil die meisteninländischen Gewebe mit einfachen Gregegespiusten erzeugt werden. Die Farbeder fertigen Gespinste chinesischer Tussah ist sehr mannigfaltig; von einerganz hellen (wie die Seide aus der Provinz Honan) angefangen, variiert siezwischen grau, bräunlichgelb, dunkelbraun bis schwarz. Diese letztere merk-

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