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Erster Band.
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Geschichte des Seidenhaspels.

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Obwohl die heutige maschinelle Einrichtung des Seidenhaspels als eineverhältnismässig wenig komplizierte bezeichnet werden kann, so war sie ur-sprünglich noch viel einfacher und bestand, wie dies noch gegenwärtig beieinigen Völkern Asiens der Fall ist, aus einer Schüssel, in welcher dieKokons auf freiem Feuer gekocht wurden, um dann ihren Faden an eineneinfachen von Hand bewegten Haspel abzugeben. Der Grammatiker undSchriftsteller Jean de Garlande führt in seinem um das J. 1220 heraus-gegebenen Wörterbuche unter „trahale“ oder „traail“ einen Apparat an,dessen sich die Frauen zum Spinnen der Seide bedienten und der wahr-

Fig. 209. Seidenhaspel in Annam (1 Kreuzung, 2 Laufstock).

scheinlich ein einfacher Seidenhaspel war. Wesentliche Vervollkommnungerhielt der Seidenhaspel durch den Bologneser Borghesano (1272), die biszum Jahre 1538 ausschliessliches, gut bewahrtes Geheimnis seiner Vater-stadt geblieben ist. Bolzini und Fardini verpflanzten die Kunst nachanderen norditalienischen Städten und büssten ihre That mit einem grau-samen Tode. Ugolino führte den neuen Seidenhaspel nach Modena , Be-nay nach Frankreich über (1670). Die ursprüngliche Kreuzungsvorrichtungbestand aus zwei Walzen, welche den Faden zusammendrückten, wurde abernachträglich (1724) von den Piemontesen derart verbessert, dass die Kokon-fäden von einer Schnur mehrfach umschlungen und unter Druck zusammen-gefügt wurden *). Nachträgliche Verbesserungen einzelner Teile der Ma-schine, wie des Antriebs, der Kreuzung, Pfanne u. s. w. rühren her von

*) II aetificio ovvero memorie dodici di Fr. Griselini etc. Verona 1783.