Band 
Erster Band.
Seite
474
JPEG-Download
 

474

Gattungen der Retorseseiden.

Die Nähseide (cusir, sewing silk) wird aus Rohseidenfäden von je 3bis 24 Kokons auf eine der folgenden Weisen hergestellt: 1. indem manzwei starke Rohseidenfäden einzeln links dreht und dann rechts miteinanderzusammenzwirnt; 2. indem man zwei, seltener drei, ungedrehte Rohseiden-fäden links zusammenzwirnt, dann aber zwei solche gezwirnte Fäden durcheine zweite Zwirnung nach rechts (mit 5-—10 Drehungen auf 1 cm) ver-einigt, und 3. auf die vorige Weise, jedoch mit dem Unterschied, dass manvor der ersten Zwirnung den einfachen Rohseidenfäden eine Drehung er-teilt. Die Nähseide besteht somit aus 2, 4 oder 6 Rohseidenfäden. Inallen Fällen ist die Zwirnung um so stärker, je feiner die Fäden sind.

Eine nach Art der Nähseide mulinierte, aber feinere und schönereGattung, welche zu Spitzen etc. verwendet wird, hat in Italien den Na-men cusirino. Sie wird gewöhnlich aus 9 Rohseidenfäden erzeugt, vonwelchen je 3 vorher links zusammengezwirnt werden, worauf man die soerhaltenen 3 Fäden durch Zwirnung nach rechts vereinigt.

Die Strickseide (wie Nähseide aussehend, aber dicker) wird wie Näh-seide nach der Methode 2 dargestellt, erhält aber — weil sie dicker ist undfür den Gebrauch weicher sein muss — eine schwächere Zwirnung. Manzwirnt zuerst 2—6 nicht gedrehte Gregefäden links zusammen und ver-einigt dann durch die zweite Zwirnung nach rechts, drei, seltener

vier solcher gezwirnten Fäden zu einem Faden. Bei dieser zweiten

Zwirnung werden 3—5 Drehungen pro 1 cm gegeben. Zuweilen begnügtman sich damit, drei dicke einfache Rohseidenfäden einzeln links zu drehenund hierauf rechts zusammenzuzwirnen, entsprechend der unter 1 ange-gebenen Methode für Nähseide. Dieses Verfahren ist zwar wohlfeiler, aberweniger vollkommen, da es eine gröbere Rohseide voraussetzt und keinenso reineu, glatten, regelmässigen, gleichförmigen Faden liefert, weil dieaus vielen feinen Fäden zusammengesetzte Seide auch weit mehr rundlichist. In der Strickseide werden somit wenigstens 3, höchstens 18 Rohseiden-fäden vereinigt.

Für die Cordonnets werden die Rohseidenfäden einzeln gedreht, dann zu4, 5, 6 oder 8 rechts zusammengezwirnt und 3 solche Fäden durch Zwir-nung nach links vereinigt. Die Cordonnets enthalten somit 12—24 Grege-fäden.

Die Berlinseide unterscheidet sich von Cordonnets nur durch stärkereZwirnung.

In den „cäbles“ sind die ganz nach Art der Cordonnets seilförmig ge-wundenen Fäden von bedeutend grösserer Dicke.

Die „ovale“, eine Art Trame, die auch als Stickseide benutzt wird,besteht aus 10—16 schwach nach rechts gedrehten Fäden und findet spe-cielle Verwendung in der Schnürbandfabrikation.

Tramette ist eine grobe Trame, die in der Strumpffabrikation nochmitunter verwendet wird.