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Zweiter Band.
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Allgemeine Morphologie der Seide.

wiihnt werden, dass der Griff der Seide entweder daunenartig weich, ela-stisch fest, schwellend und trocken oder endlich knirschend (craquaut) ge-staltet werden kann.

Morphologisch ist die Seide die einfachste aller Textilfasern. Der Ab-souderungsart gemäss besteht die einfachste Seidenfaser oder der Kokonfaden(bave) aus zwei einzelnen dichten, nicht hohlen, den beiden Seidendrüsenentsprechenden, durch den Seidenleim verkitteten Fädchen (brin). Unterdem Mikroskop erscheint dieser Doppelfaden als ein flachzylindrischer Körpervon gleichförmigem Lichtbrechungsvermögen, in dessen Mitte der Längenach eine furchenähnliche Linie wahrzunehmen ist. Ein oft in unregel-mässigen Aussprüngen hervortretender Saum, der sich optisch anders ver-hält, rührt von der Leimhülle her. Nach der Beseitigung der letzterenerscheint die Faser ganz glatt und homogen. Nach dem Abkochen (Ent-basten) löst sich der Zusammenhang der beiden Fädchen. Bei einzelnenSeidenfasern findet ein solcher Zusammenhang übrigens auch im rohen Zu-stande stellenweise nicht statt.

Die Seidenfaser ist homogen und strukturlos, doch, wie man weiterunten sehen wird, nicht in so absolutem Sinne, wie man gewöhnlich annimmt.In rohem Zustande ist sie mit der als Verkittungsmittel zum Aufbau derKokonschichten dienenden Basthülle umgeben. Dieselbe unterscheidet sichvon der eigentlichen Faser durch Unregelmässigkeiten der Form und Mangelan Zusammenhang. Da die Bast- oder Leimhülle, welche wir kurzweg Bastnennen wollen, in trockenem Zustande hart und spröde ist, so entstehen ander Rohfaser Quersprünge, Risse, Falten etc., auch fehlt der Bast an kurzenStrecken vollständig. Öfters werden an der Faseroberfläche wulstartige Ver-dickungen des Bastes sichtbar, welche ebenso wie die Falten beim Erstarrendes Kokonfadens entstehen. Da sich dabei das Fibroin stellenweise zusam-menzieht oder verkürzt, muss sich die spröde, wenig biegsame äussere Bast-hülle notwendigerweise falten. Während des Spinnens entstehen beimBiegen und Dehnen des elastischen Fibroinfadens oder beim Zusammenlegendesselben in verschlungene Windungen Sprünge und Risse: der Bast wirdin lose hängende Schollen zerteilt. Diese Unregelmässigkeiten treten be-sonders in der äusseren und inneren Kokonschicht auf und werden deshalbvorwiegend bei der mikroskopischen Untersuchung der Abfallfasern und derFlorettgespinste wahrgenommen. Die Verteilung des Seidenleims ist imKokonfaden nicht überall gleichmiissig, so dass der Bast einer und derselbenFaser verschiedene mikroskopische Bilder zeigen kann. So besitzt die Faservon Actias selene zum Teil eine dicke körnige Leimschicht, zum Teil abergar keine. In der Yamamayseide ist der äussere Kokonfaden mit einerdicken homogenen Basthülle umgeben, während der mittlere von einer dün-nen, nur stellenweise erhaltenen und die innerste Faser von einer körnigenLeimschicht eingeschlossen ist.

Die geometrische Beschaffenheit der eigentlichen Seidenfaser, des Fi-broins, ist von Cornalia, Robinet und Duseigneur erkannt und in