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Zweiter Band.
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189
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Gesetze der Fadenelastizität.

I

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1. Die Elastizität ist für einen bestimmten Seidenfaden nur relativkonstant, indem sie vorzugsweise in grossen Fadenlängen mehr zur Geltungkommt, als in kurzen *).

2. In den aus gleicher Fadenzahl zusammengesetzten Seiden ist dierelative Elastizität der Dicke derselben, resp. dem Titer, nicht proportional.

3. In einer und derselben Gespinstart wächst die absolute Elastizitätin geringem Mafsstab zusammen mit dem Titer.

4. In den Seiden von verschiedener Fadenanzahl ist die Elastizität demTiter nicht proportional, die relative Duktilität ist dabei beinahe umgekehrtproportional dem Titer. Die absolute Duktilität steigt mit der Anzahl derFäden.

5. Bei gleichem Titer zeigt diejenige Seide die grösste relative Elasti-zität, welche aus der grössten Anzahl Fäden zusammengesetzt ist.

6. Für schwache Zugkräfte verhält sich die eigentliche Elastizität desSeidenfadens wie die des Kautschuks, indem sofort nach dem Aufhören derSpannung die Seide auf ihre ursprüngliche Länge zurückkommt. Fürgrössere Zugkräfte wird eine bleibende Ausdehnung konstatiert, welche nurlangsam verschwindet. Folgende Tabelle giebt den Zusammenhang zwischender Duktilität, d. i. der im ersten Augenblick wahrnehmbaren Ausdehnungund der eigentlichen Elastizität, welche das Verhältnis der Differenz derDuktilität und der bleibenden Ausdehnung zu der ersteren vorstellt.

Zugkraft

ff

Duktilität

mm

Bleibende

Ausdehnung

Elastizität

10

3

—

100%

20

5

—

100%

50

13

1

92,3%

100

45

14

68,9%

120

72

33

54,2 %

127 (Heissen) 77

36

53,3%.

Die Elastizitätsgrenze kann somit für die Seidenfaser auf ca. 54°/ 0 ge-schätzt werden.

In trocknem Zustande der Faser ist die bleibende Ausdehnung währendlanger Zeit anhaltend, während die feuchte oder nasse Seide nicht nur duk-tiler, sondern auch elastischer ist, so dass die bleibende Ausdehnung vonkurzer Dauer ist. Demgemäss kommt die nasse Seide beim Strecken gleichauf die ursprüngliche Länge zurück, während bei der trocknen oft ganzeTage dazu erforderlich sind. Umgekehrt wie bei der Festigkeit, hat dieFeuchtigkeit auf die Duktilität und Elastizität einen günstigen Einfluss,während das Austrockuen der Faser ihre Elastizität in noch höherem Mafseals die Festigkeit beeinträchtigt.

’) Robinet, Mämoire sur la filaturo de la soie. Faris 1839.