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Zweiter Band.
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Theorie der Absorptionserscheinungen.

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a-naphtylamin ergiebt die dunkelsten Nuancen. Die durch andere Basenhervorgebrachten Färbungen sind weniger intensiv, lassen sich jedoch be-deutend dunkler dadurch gestalten, dass man die Seide durch das salzsaureSalz einer Base führt. Im allgemeinen muss mit Vorsicht gearbeitet wer-den, da ungleichmiissige Färbuugeu leicht aufzutreten pflegen.

In gleicher Weise erzeugt die Seide mit gewissen Diazoverbindungen,sowie Nitrosaminen primärer aromatischer Amidoverbindungen direkte gelbeFärbungen, deren Verhalten gegen Alkalien und Säuren dem der korrespon-dierenden Phenolfarbstoffe entspricht 1 ), so dass man vermuten könnte, derintegrierende Tyrosinkomplex sei in die Reaktion eingetreten. Die Nitros-amine sind für das Färben besonders geeignet, weil sie sich in neutralerLösung an wenden lassen; ebenso geeignet sind die nitro- und halogen-substituierten Amidoverbindungen, sowie ihre Sulfoderivate, entweder in derDiazo- oder in der Nitrosaminform. Die Kopulierung mit der Faser geht ambesten unter Anwendung von essigsaurem Natron vor sich. Die Färbungenzeichnen sich durch Licht- und Waschechtheit aus und lassen sich gut ätzen.Ein Bad aus dem durch Diazotieren von 1 g p-Nitrophenylnitrosaminnatriumhergestellten ^-Nitrodiazobenzolclilorid, 5000 g Wasser, 1 g essigsauremNatron und 100 g Seide, wird in einer halben Stunde erschöpft. Auch dieNitrosamine allein, resp. ihre Salze, vermögen sich mit der Seide zu Farb-stoffen zu verbinden, z. B. das Dichlordipbenylnitrosamin oder ß-naphtyl-nitrosamin u. a.

Über das Verhalten der Seidenfaser gegen Lösungen der Farbstoffe undSalze, welche in der chemischen Technologie der Seide industrielle Verwen-dung finden, kann nur in einem speziellen Abschnitt über das Bleichen,Färben und Erschweren berichtet werden; hier muss ich mich auf Allge-meines beschränken.

Man ist sich theoretisch noch nicht im klaren, ob die „chemischen“ Pro-zesse und Erscheinungen, die praktisch in ungeheuerem Mafsstabe verwertetwerden, auf Affinität oder einen rein physikalischen Ursprung zurückzufüh-ren sind, wie dies z. B. stattfindet, wenn die Tierkohle Farbstoffe und Salzeaus ihren Lösungen absorbiert und zurückhält. Jedenfalls lassen sich imVerhalten der Seide gegenüber Lösungen, abgesehen von der Ursache, einigeArten der Einwirkung beobachten. Wird die Seide mit Chlorbaryumlösungimprägniert, getrocknet und dann durch verdünnte Schwefelsäure geführt,so wird auf der Faser das unlösliche Baryumsulfat niedergeschlagen, einVersuch, der ebensogut mit der Wolle oder Baumwolle gemacht werdenkann. Auch kann die Reihenfolge der Operationen umgekehrt sein; mantaucht die Seide etwa 10 Minuten in ein kochendes Bad des Glaubersalzesvon 25° Be, windet sie aus, führt sie in kochende Chlorbaryumlösung von35° Be und wäscht sie stark aus. Auf diese Weise lässt sich das künst-

>) D. R.-P. 82446.