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Theorie der Absorptionserscheinungen.
liehe Erschweren der Faser vermittelst der Ablagerung des unlöslichen Ba-ryumsulfates bewirken. Sowohl die Glaubersalz- wie die Chlorbaryumlösungzeigt nach wie vor dem Versuche denselben Titer; man hält zwar dieBäder, um die Absorption zu beschleunigen, schwach ammoniakalisch, voneiner chemischen Wirkung kann aber keine Rede sein. Durch einfachesWaschen lässt sich die gesamte aufgenommene Menge des Chlorbaryumsund des Natriumsulfats wieder von der Faser entfernen. Das schwefelsaureBaryum ist mechanisch in der Faser abgelagert worden. Der Prozess istein einfaches Imprägnieren, wobei keine Molekularkräfte ausser der Adhä-sion in Wirkung treten.
Für die Basen und Säuren besitzt die Seide dagegen eine ausgesprocheneAffinität, d. h. dieselben werden beim Eintauchen der Faser in ihre Lö-sungen als solche aufgenommen und fixiert, ohne dass es später gelingt,sie durch einfaches Spülen zu entfernen. Dass zwischen den Fasern undLösungen der Alkalien und Säuren Reaktionen vor sich* gehen, geht ausder Erhöhung der Temperatur beim Eintauchen der Faser in diese Reagen-zien hervor, einer Erscheinung, die oben bereits erörtert wurde. Infolgedieser Reaktion verbindet sich die Faser mit der Säure oder dem Alkali inder Weise, dass die Lösung schwächer wird und die entsprechende Mengeder Säure oder des Alkali auf der Faser fixiert wird. Einen Einblick indas quantitative Verhalten der Seide gegen Säuren und Alkalien liefern dieUntersuchungen von Mills und Takamine 1 ). Aus diesen Arbeiten gehthervor, dass das Absorptionsvermögen der Seide kleiner ist, als das derWolle, und dass der Prozess im Verlauf einer Woche beendet ist, weiter,dass Wolle und Seide fast gleiche Mengen des Natronhydrats absorbieren,dass aber die Wolle von sauren Lösungen bedeutend mehr aufnimmt,, alsdie Seide. Wird Seide mit verdünnten Lösungen von Basen und Säurenim Verhältnis ihrer Molekulargewichte behandelt, so findet Absorption imVerhältnis von 3 HCl: 10 NaOH statt, dasselbe gilt für Baumwolle. DieWolle absorbiert 2 HCl : 3 NaOH. Dies zeugt von einer gewissen, in Bezugauf das chemische Verhalten der Baumwolle und der Seide bestehendenAnalogie, die weniger in chemisch-atomistischem Sinne aufzufassen ist,sondern mehr die Funktion der physikalischen Lagerung der Moleküle be-trifft. Im allgemeinen ist das Absorptionsvermögen der Seide 2% mal grösser,als das der Baumwolle, andererseits besitzt die Seide weniger Verwandtschaftzur Schwefelsäure, als die Wolle und sogar weniger, als die Baumwolle.
Nachdem das Verhalten der Seidenfaser zu Körpern mit ausgesprochenbasischem oder saurem Charakter erörtert wurde, mögen einige Worte dieRolle, welche bei diesen Reaktionen das Sericin und das Fibroin besonderseinnehmen, erläutern. Das Mafs der chemischen Wirkung oder Affinität