Verwandtschaft der Seide mit Albuminoiden.
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Waschens bedarf, um alkalifrei zu werden. Die geringe Menge des bei derReaktion frei gewordenen Ammoniaks (0,44°/ 0 ) lässt, wie übrigens noch ananderer Stelle erörtert werden wird, darauf schliessen, dass es in der Haupt-sache an saure Radikale gebunden ist und zwar in Form einer Karbamid-gruppierung. Um die Anzahl der Amidogruppen mit Sicherheit festzustellen,sind zahlreiche Acetylierungsversuche nach dem Vorgang von Benedikt undUlzer vorgenommen worden. Wie von Lewkowitsch aber dargethanworden ist, ist diese Methode für Fette und Öle unzulänglich, da in diesemFalle nicht nur Acetylierung, sondern auch innere Polymerisation unterBildung von Anhydriden stattfiudet. Wie sich vorhersehen liess, verlief dieAcetylierung des Fibroins ohne positiven Erfolg trotz längerer (24 ständiger)Einwirkungsdauer.
Was die echte Maulbeerseide anbelangt, so giebt sie an die Kalilauge86% ab, während der Bast als ein graues, unlösliches Pulver zurückbleibt.Die entwickelte Ammoniakmenge beträgt etwas über 2% gegenüber 3%nach der Methode mit Barythydrat; die abgeschiedene Essigsänremenge(8%) entspricht dem Verhältnis der Acetamidgruppen. Die Formel desMaulbeerfibroinkaliums berechnet sich als
C„H„N s O a K a resp. CuH 16 (NH 2 ) s (COOH ) (COOK) s .
Wie das Fibroin selbst, so zeigt auch das Fibroinkalium das Vermögen,Jod reichlich zu absorbieren; die Tussahverbindung nimmt aus der Hiibl-schen Lösung mehr als 45% Jod auf. Mit essigsaurem Blei liefert dasFibroinkalium einen reichlichen Niederschlag, aus welchem sich vermittelstSchwefelwasserstoff in bekannter Weise die freie Amidosäure in Form einesamorphen, gelblichen Körpers isolieren lässt. Ihrem allgemeinen Verhaltennach ist sie der durch oberflächliche Hydratation der Wollsubstanz ent-stehenden Lauuginsäure analog.
Aus dem allgemeinen chemischen Verhalten der Seide geht, wie schonoben erwähnt, hervor, dass der molekulare Bau der Seide nicht weit vondem anderer Albuminoide abweichen muss, im speziellen nicht weit von demdes Gelatins und seines Derivates Ossein. Von diesen beiden unterscheidetsich die Seide wahrscheinlich durch einfachere Struktur, weil die Leucinedes Gelatins ausser dem Glycocoll und Alanin etc. noch Amidovaleriansäureund Amidokapronsäure enthalten; von den Leuceinen sind ebenfalls höhereHomologe C b H 3 N0 2 und C 6 I1 11 N0 2 vorhanden.
In Bezug auf den Stickstoffgelialt unterscheiden sich die typischenKörper aus der Reihe der Albuminoide, das Fibroin, Gelat.in und Albumin,darin, dass das erstere am meisten, das letztere am wenigsten Stickstoffenthält, ein Verhältnis, das mit ihren tinktoriellen Eigenschaften zusammen-fällt. Die prozentuelle Zusammensetzung dieser drei Körper ist die folgende: