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Synthese der Seide.
werden von der Seide dank den Karboxylgruppen ebensogut fixiert, wiez. B. die sauren Azofarben dank den Amidogruppen. Es lässt sich natür-lich nicht behaupten, dass hier salzartige Verbindungen in Form gefärbterLacke der Faser mit dem Farbstoff zu stände kämen, immerhin tritt dieserausgeprägte Charakter der Seide scharf hervor und hat für die Färberei-praxis grosse Bedeutung.
Schliesslich sei noch bemerkt, dass einige, wahrscheinlich äussersteAmmoniakreste in der Seide weit loser an das übrige gekettet sind, alsman dies vermuten könnte. Man braucht nur dem Abkochen einer grösserenPartie Seide beizuwohnen, um einen zwar schwachen, aber deutlich wahr-nehmbaren Ammoniakgeruch zu gewahren. Wahrscheinlich wird dabei einTeil Amidogruppen im Sericin unter Freiwerden von Ammoniak durch dasAlkali der Seife in Hydroxyle übergeführt, während das Alkalimetall selbstin die Karboxylgruppe eintritt. Freie Fettsäure der Seife scheidet sich aus,wodurch das Bad „bricht“ und sein fettiges Anfühlen verliert. Das Na-triumsalz der gebildeten Oxysäure des Sericins ist leicbt löslich und gehtvon der Faser in das Bad über, wodurch das Entbasten zu stände kommt.
Die moderne Richtung der organischen Chemie lässt die Frage ent-stehen, ob eine Synthese des Fibroins trotz der aus ihrer kompliziertenStruktur sich ergebenden Schwierigkeiten verwirklicht werden könnte. Dieeinzelnen, das Molekül der Seide integrierenden Grundstoffe, das Glycocollund seine Homologe, sind synthetisch dargestellt. Neuerdings ist es ge-lungen, auch die Synthese der Leuceine zu bewirken, indem man die Zink-verbindung eines Leucins, z. B. Glycocolls, mit Etylenbromid erhitzt:
C t H s NO t + C 2 HJir 2 = 2 IIBr + CJI.NO,.
Wie bekannt, liefert die Seide bei der Hydratierung neben den Zer-setzungsprodukten des Harnstoffs und Oxamids ein Gemisch von Leucinenund Leuceinen. Man kennt die Wege, um Harnstoff, Oxamid, Leucine u. s. w.darzustellen; die Synthese der Seide ist also theoretisch einfach, weil man nurnötig hat, je ein Molekül Leucin und Leucein zu einem Körper C m li 2m _ 2 N 2 O szu verbinden und den letzteren in passendem Verhältnis unter Wasseraustrittmit Harnstoff oder Oxamid zu kondensieren. Die Schwierigkeit einer der-artigen Synthese liegt indessen darin, sie so zu bewirken, dass keine Zer-setzung resp. keine sekundären Reaktionen eintreten. Die Methoden zurVerwirklichung solcher Kondensierung sind bekannt; sie ermöglichten seiner-zeit die Synthese der zusammengesetzten Äther der Amide, Ureide u. dergl.Man lässt im allgemeinen die Komponenten unter passenden Verhältnissenin Gegenwart eines wasserentziehenden Mittels (Schwefelsäure, Salzsäure,Cblorzink etc.) aufeinander einwirken. Die zahlreichen nach dieser Rich-tung hin angestellten Versuche ergaben indessen betreffs der Albuminoideund der Seide im speziellen nur negative Resultate. Trotz einer annähern-den, durch Thatsacheu begründeten Wahrscheinlichkeit der oben erörtertenFibroinformel wäre es nicht unmöglich, dass der Hydratierungsprozess, auf