Band 
Zweiter Band.
Seite
242
JPEG-Download
 

242

Das Wasser in der Seidenfärberei.

wohnlichen Gang der qualitativen Analyse erfordert, auf den hier nichtnäher eingegangen werden kann. Die Ermittelung im Wasser löslicher or-ganischer Körper ist deswegen von Wichtigkeit, weil dieselben einerseits redu-zierende Eigenschaften besitzen und, indem sie in die chemischen Prozesse derSeidenverarbeitung eingreifen, uuerwünschte Störungen zu verursachen ver-mögen, andererseits aber sich unter gewissen Umständen auf die Faser nieder-schlagen und sie verunreinigen können. Diese Untersuchung lässt sich, wenig-stens nach dem üblichen Verfahren mit Chamäleon, nicht gut qualitativ aus-führen. Eine bequeme und, sofern nicht namhafte Mengen von Ammoniak odersalpetriger Säure vorhanden sind, durchaus zuverlässige Methode ist die fol-gende. In einem ca. 300 cc fassenden Kolben werden 100 cc Wasser mit0,5 cc Natronlauge (1:2) und 10 cc einer Lösung von Hundertstelnormal-permanganat (0,3163 g im 1) zusammengemischt, 10 Minuten durchgekocht,bei 60°, dann 5 cc Schwefelsäure (1 : 3) und ferner 10 cc der 1 I 100 Normal-oxalsäure (0,63 g kryst. im 1) hinzugefügt. Sobald sich die Flüssigkeitentfärbt hat, setzt man unter Umrühren Permanganatlösuug aus einer Bü-rette bis zur schwachen Rosafärbung zu. Die zuletzt verbrauchte Per-manganatmenge entspricht dem Quantum organischer Stoffe, das mandurch die Gewichtseinheiten des zu ihrer Verbrennung notwendigen Sauer-stoffs auszudrücken pflegt. Hat man z. B. 1,8 cc Chamäleon verbraucht,so enthält, da 1 cc Permanganat 0,00008 g disponiblem Sauerstoff ent-spricht, 1 1 des untersuchten Wassers ein 0,00144 g Sauerstoff entsprechen-des Quantum organischer Substanzen. Enthält das Wasser salpetrige Säure,die ebenfalls Chamäleonlösung zu reduzieren vermag, so bringt man für3 Äq. derselben 2 Äq. Permanganat in Abzug; das ebenfalls störendeAmmoniak entfernt man vorher durch Auskocben. Während die Perman-ganatmethode alle organischen Stoffe anzeigt, liefert eine andere mit Silber-oxyd die Reaktion nur mit Schleimsubstanzen, Gerbstoffen, Proteinkörpern,Zuckerarten, flüchtigen Fäulnisprodukten u. s. w., während sie auf Fetteund Fettsäuren, sowie die meisten Verbindungen der aliphatischen Reiheohne Einwirkung ist. Man löst 1,7 g Silberuitrat in 20 cc Wasser auf,giesst diese Flüssigkeit in eine Lösung von 4,8 g Ätznatron und 5 g Na-triumhyposulfit in 50 cc Wasser, schüttelt stark um, kocht 15 Minuten undzieht die erhaltene klare Flüssigkeit zum Gebrauch in dunkle Flaschen ab.20 cc des Wassers werden mit 2 cc der Silberlösung versetzt (wobei inmanchen Fällen sofort ein Niederschlag von Silbersulfid, falls Schwefel-wasserstoff oder von Silber, falls Ferro- oder Stannosalze vorhanden sind,entsteht), und zum Kochen gebracht; es bildet sich zuerst ein weisser Nie-derschlag der Kalk- und Magnesiasalze, der sich bei Anwesenheit organi-scher Stoffe allmählich schwarz färbt.