Das Entbasten.
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Um die wertvollen Eigenschaften der Seidenfaser, ihren eigenartigenGlanz und den unvergleichlichen Griff zur Geltung zu bringen, ist es vorallem notwendig, ihren natürlichen Bast zu entfernen. Dies ist der Zweckeiner Behandlung, welche den Namen Entbasten, Abkochen oder Entschiilenträgt. Im Altertum benutzte man, gemäss der Eigenschaft des Bastes, sichin alkalischen Flüssigkeiten aufzulösen, die Abkochungen der Pflanzenasche,welchen mau, um die Wirkung zu mildern, wahrscheinlich fette Öle zu-setzte. Auch in neuerer Zeit sind derartige Verfahren wieder in Vorschlaggebracht worden *): man verwendet eine Mischung von Aschenlauge mit Ölund Urin, womit man die Seide imprägniert und dämpft. Später trat anStelle der Pottaschenölmischung, wohl zuerst bei den Chinesen, eine künst-lich zubereitete, wirkliche Seife, die noch bis auf den heutigen Tag ihrenPlatz als Entbastungsmittel par excellence behauptet und durch kein an-deres Mittel verdrängt werden konnte. So schlug Rigaut (1762) in seinerpreisgekrönten Arbeit vor, statt Seife die damals billigere Pottasche anzu-wenden. Von anderen alkalisch wirkenden Substanzen wurden zum Zweck 'des Entbastens die Sulfide und Polysulfide der Alkalien unter Nachbehand-lung mit Seife vorgeschlagen 2 ), dann neutrale Sulfite 3 ), Aluminate undStannate der Alkalien 4 ). Diese letzteren Salze sollen sich speziell fürschwarz zu färbende Seiden aus dem Grunde eignen, weil sie zugleich alsFixierungsmittel für in einer vorangehenden Operation auf der Faser be-festigte Eiseusalze fungieren können; infolge des sich bildenden schwerenEisenstannats werden auch zur Erzielung einer gewissen Erschwerung we-niger Eisenpassagen erforderlich. Die anzuwendende Menge des zinnsaurenNatrons (Präpariersalz) beträgt die Hälfte des üblichen Seifenquantums.Die Alkalinität des Natriumstannats kann nötigenfalls mit Säure neu-tralisiert werden. Auch sind Antimoniate, Plumbate, Zinkate und andereanaloge Salze in Vorschlag gebracht worden, die indessen grösstenteils dieunerwünschte Eigenschaft besitzen, sich im Bade unter Bildung von freiemAlkali zu zersetzen, wodurch ihre Wirkung eine zu energische und angrei-fende wird. Die besten Resultate ergab in dieser Hinsicht das Natrium-silikat (Wasserglas). Gillet und Tabourin wandten mit etwas Soda ver-setzte schleimige Abkochungen einiger Pflanzensamen au. Für geringereQualitäten Rohseide, sowie hauptsächlich für die Fantaisiegespinste sindmild alkalisch reagierende Substanzen aus dem Grunde als Entschälmittelganz besonders geeignet, weil das Entbasten der Natur der Faser ent-sprechend viel energischer und der Art des Gespinstes gemäss in viel kür-zerer Zeit vollzogen werden muss als bei besseren Qualitäten. Durch diekurze Dauer des Kochens wird das Flaumigwerden verhütet und der eventuellentstehende Flaum durch das Alkali sofort verbrannt. Man verwendet für