Band 
Zweiter Band.
Seite
244
JPEG-Download
 

244

Das Entbasten.

diesen Zweck ein halbstündiges Bad aus 3—4°/ 0 Ätznatron bei 60°, demeine energische Waschung auf der Schlagmaschine folgt. Der Entschäl-verlust beträgt hier 8—15°/ 0 . Die Alkalikarbonate, Soda und Pottaschekönnen hei etwas höherer Temperatur (80° C.) und im Verhältnis von10—12°/ 0 des Seidengewichts verwendet werden. Das 1860 von Lambertund Moyret studierte Entbastungsverfahren mit Säuren ergab keine be-sonderen Vorteile, da die Seide weniger weiss ausfiel und sich nicht guterschweren liess. Die Ecru (unter diesem Namen versteht man die Seidein unentbastetem, rohen Zustande, sei es als Grege, Trame, Cordonnets etc.)wird in ca. 2—3 Stunden in einem kochend heissen Bade aus 5% Phos-phorsäure oder arseniger Säure vollständig entbastet'). Schliesslich wurdedas Baryumhydroxyd (12—15 °/ 0 bei 80°) als Entschälmittel und zu gleicherZeit als Fixierungsmittel für vorangegangene Eisen- und Zinnbeizen vor-geschlagen 2 ).

Wie das Abkochen unter Anwendung von Seife zu stände kommt, istin Form einer Hypothese bereits im chemischen Abschnitte erörtert worden;die abgeschiedene Fettsäure scheint dabei auf das Fibroin einen eigenartigenEinfluss anszuüben, indem sie dazu beiträgt, den natürlichen Glanz und dasGefühl der Seidenfaser zu erhöhen. Das beim Entbasten zur Anwendungkommende Wasser darf nicht die leisesten Spuren von Kalk- oder Magnesia-verbindungen enthalten; die eventuell gebildeten unlöslichen Seifen fixierensich oberflächlich auf dem Fibroin und geben im Laufe der weiteren Ver-arbeitung zu verschiedenen Störungen Anlass, die mitunter erst in der fertiggefärbten Seide zum Vorschein kommen. So zeigt z. B. eine solche Faser erstbei der letzten Operation, dem Lustrieren, metallisch glänzende, marmori-sierende Flecke, die nur schwer beseitigt werden können. Zuweilen enthältdie Ecru selbst, sei es von Natur oder infolge künstlicher Erschwerung,einen erheblichen Prozentsatz Kalk oder anderer Mineralsalze, wodurch ihrVerhalten beim Abkochen ganz abnorm wird. Es empfiehlt sich in solchenFällen vor dem Entbasten eine Passage durch verdünnte Salzsäurebädervorzunehmen. Für solche Seiden, z. B. gewisse Tramesorten, wie China-Trame, werden zum Degummieren nicht frische, sondern alte, mit Fettsäureüberladene Seifenbäder verwendet, weil der Bast in diesem Falle von frischer,neutraler Seife nicht angegriffen wird.

Das Hauptagens beim Entbastungsprozess, die Seife, ist bekanntlichein Gemisch von Alkalisalzen einiger höherer Homologe der Fettsäure-reihe, deren Anfangsglieder die allbekannten Ameisensäure, Essigsäure,Buttersäure u. s. w. bilden, nämlich von Stearinsäure, Palmitinsäure, Olsäureund anderen nahe verwandten Säuren. Die Natriumsalze dieser Säuren sindfest und hart, die Kalisalze weich und schmierig; in der Seidenfärbereiwerden fast ausschliesslich die Natronsalze verwendet, weil die anderen stets

’) Gillet-Pierron, Franz. Patent 67490. — a ) Tessid du Motay, Franz. Patent104650 (1874).