Das Entbasten.
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von ihrer Darstellung herriihrendes freies Alkali enthalten. Während inanderen Textilgewerben, namentlich in der Walkerei und Wäscherei derWollengewebe, bei der Behandlung mit Seife auch mechanische Faktoren,Walk- und Waschzylinder, Quetschwalzen etc. zur Anwendung gelangen,vollzieht sich der Prozess beim Entschälen der Seide von selbst, d. i. reinchemisch. Die Seife wirkt „stationär“, d. h. sie dringt aller Wahrschein-lichkeit nach nicht in das Innere der Faser, sondern greift den Faden in•dem Mafse, wie sich der Bast nach und nach ablöst, von aussen au; ausdiesem Grunde ist ein energisches Umherziehen der Stränge in den Ent-schälbädern nicht üblich und sogar unzulässig. Bei der Kochhitze wirktdie Seife wie ein schwaches Alkali und löst das saure Sericin auf, ihreFettsäure verhindert aber, dass ein Angreifen der Faser stattfindet.
Von den vielen zur Seifenfabrikation dienenden Fetten können hiernur wenige Verwendung finden. Die Seife muss sich aus der Faser leichtauswaschen lassen und darf daher Fette von nur niedrigem Schmelzpunktenthalten, da die anderen in den lauen und kalten Waschbädern erstarrenund die Faser dauernd verunreinigen würden. Von den drei in den natür-lichen Fetten vorherrschenden Fettsäuren, Stearinsäure, Palmitinsäure undOleinsäure schmilzt die erste bei ca. 70°, die anderen bei 60° bez. 14°; ausdiesem Grunde eignet sich besonders die Oleinseife für Entschälungszwecke.Über die fabrikmässige Darstellung der Seifen kann au dieser Stelle nursoviel gesagt werden, dass die tierischen oder eventuell die pflanzlichen Fette,die nichts anderes sind, als Glycerinester der Fettsäuren, mit Ätzalkaliengekocht werden, wobei das Metalloxyd, als eine starke Basis, das Glycerinaus seiner Verbindung mit der Säure verdrängt. Nach diesem „Verseifungs-prozess“ wird die Lösung mit Kochsalz versetzt, welches die Eigenschaftbesitzt, die Natronseife in fester Form abzuscheiden. Als für die Zweckeder Seidenfärberei geeignete Seifen sind, von den guten zu den geringenfortschreitend, folgende zu nennen:
1. Die Marseillerseife, weiss oder schwach gelblich resp. grünlich ge-färbt, von halbharter Konsistenz und angenehmem Geruch, ist für Seideein Produkt par excellence. Sie wird unter Anwendung von kochsalzhal-tiger Natronlauge von immer steigender Konzentration aus der dritten Qua-lität Oliven- oder Baumöl des in Südeuropa einheimischen Ölbaumes ge-wonnen und besteht neben geringen Mengen von palmitinsaurem (C 16 If 3l0 2 Na ) wesentlich aus oleinsaurem Natron ( C ls H ss 0 2 Na ). Statt Olivenölwird häufig das billigere Baumwollsamenöl und die reine Ölsäure verwendet,die sich beide chemisch von dem erstereu kaum unterscheiden und des-wegen als Verfälschungsmittel dienen. Ist das mit dem Olivenöl verseifteFett rein und von niedrigem Schmelzpunkt, so büsst die Marseillerseife da-durch nicht ihre guten Eigenschaften ein; der Gehalt an Oleinsäure verrätsich meist durch die grössere Weichheit der Seife. Das Produkt reagiertvollständig neutral, d. li. es enthält weder überschüssiges Alkali noch nam-hafte Mengen freier Fettsäuren.