Die Bastseife.
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Die ausgenntzten, wirkungslosen Entschälbäder, die man technisch Bast-seife neunt, werden nicht ohne weiteres abgelassen, sondern dienen seit densechziger Jahren in der Couleurtfiirberei, nachdem es sich herausgestellt hat,dass der Zusatz von Bastseife zu den Färbebädern, namentlich bei Anwen-dung künstlicher Farbstoffe, auf die Färbungsresultate ausserordentlich gün-stigen Einfluss hat. Die Bastseife ist als eine stark proteinhaltige Flüssig-keit nicht lange haltbar und geht bereits nach einigen Tagen in Fäulnisüber, die durch die alkalische Reaktion des Proteins begünstigt wird unddamit endet, dass die das Molekül des Sericins integrierenden weniger kom-plizierten Amidosäuren und Oxysäuren als Spaltungsprodukte auftreten. Dienur wenige Tage alte Bastseife setzt sich indessen nur aus etwas untersetzterSeife und Ammoniak, freiem Sericin neben Natriumverbindung des Sericinsund des Oxysericins und schliesslich freier Fettsäure zusammen. Die meistendieser Bestandteile sind besonders in kaltem Zustande unlöslich und in derBastseife in Form einer äusserst feinen Emulsion suspendiert. Besondersfür saure Theerfarbstoffe eignet sich die Bastseife aus dem speziellen Grundeals Zusatz zu den Farbebädern, weil man die letzteren umständehalber an-säuert und erwiesenertuafsen besonders eine angesäuerte Bastseifenlösung dieihr eigene Wirkung ausübt. Uber das Wesen derselben lässt sich insofernnichts Bestimmtes sagen, als man voraussetzen darf, dass mehrere Bestand-teile der Bastseife zu dem Gesamtresultat beitragen. Der Hauptvorteil beider Anwendung der Bastseife zum Färben liegt darin, dass die Nuancenbedeutend gleichmässiger und frischer aufgehen, als in einfachem Wasser-bade. Zu der Belebung der Farben dürfte die geringe Menge der sich aufder Faser fixierenden Fettsäure beitragen, die in der Bastseife bereits vor-handen und durch Säurezusatz vollkommener abgeschieden in äusserst feinverteiltem Zustande im Bade gleichmässig suspendiert bleibt, da sie im Mo-ment der Ausscheidung von den Sericinpartikeln gleichsam eingeschlossenwird. Während beim Säurezusatz zu der gewöhnlichen Seifenlösung soforteine Ausscheidung der Fettsäuren in Form von Brocken in kaltem oder inForm von Tropfen oder einer Fettschicht in heissem Zustande stattfindetund ihre Anwendung in diesem Sinne unmöglich macht, bleibt die Bast-seifenlösung beim Ansäuern homogen und nimmt nur eine milchartige, leichtschleimige Beschaffenheit an. Das mit Bastseife versetzte, derart an-gesäuerte Färbebad, das zur neutralen oder meistens schwachsauren Re-aktion gebracht wird, nennt man „gebrochen“ (savon coupe). Das Egali-sierungsvermögen der Bastseife ist allem Anschein nach wieder auf die An-wesenheit von Sericin zurückzuführen, das in seinen physikalischen undchemischen Funktionen sich den Leimsubstanzen an die Seite stellt. Durchseine schleimige Beschaffenheit wirkt es einigermafsen als Verdickungsmitteldes Färbebades, indem das letztere dadurch weniger flüssig wird und seineenergische Benetzbarkeit und sein Kapillarvermögen einbüsst. Bei der über-aus grossen Affinität der Seidenfaser für die künstlichen Farbstoffe geht derFärbeprozess in einem auch nur einigermafsen warmen Bade schon viel rascher