252
Die Bastseife.
vor sich, als es wünschenswert ist, da dabei ein Faden mehr von demFarbstoff absorbieren kann, als ein anderer. Um das ungleichmässige Auf-gehen des Farbstoffs und damit das gänzliche Misslingen der Färbeoperationzu verhüten, würde man die Temperatur nur langsam steigern und denFarbstoff nur ganz allmählich zusetzen dürfen, wodurch sich aber das Fär-ben sehr in die Länge zöge, wenn man nicht in der Bastseife ein vorzüg-liches Egalisierungsmittel besässe, welches gleich anfangs die Anwendungeines kochend heissen Bades gestattet. In gewisser Hinsicht könnte dieseWirkung des Bastes mit der von schleimigen Abkochungen der Kleie undanderen emulgierenden Pflanzenextrakten verglichen werden, die lediglichdie Bestimmung haben, die Farbstoffmoleküle einzuschliessen und ein zurasches, somit oberflächliches Fixieren derselben durch die Faser resp. durchdie darauf befestigte Beize zu verhindern. Das schleimige Sericin hemmtdie leichte Beweglichkeit der Farbstoffmoleküle und trennt sie zum Teil vonder Faser; durch diese Verzögerung nehmen bedeutend mehr Fasern an derAusbeutung einer gewissen Anzahl im Bast eingebetteter Farbstoffmoleküle,die durch rasches Umherziehen der Stränge in der Flotte ihnen dargebotenwerden, teil, als wenn die Fasern mit freien Farbstoffmolekülen unmittelbarzusammentreten und sie momentan an sich reissen würden. Zwar besitztdas Sericin im Egalisieren eine erstaunliche Wirkungsfähigkeit, doch kommtdieselbe, wenn auch in geringerem Mafse, allen schleimigen Substanzen, wieLeim, Blut, Stärkekleister, Tragauth u. s. w. zu, die auch in seltenen Fällenals Surrogate der Bastemulsion verwendet werden. Ebenso ist die Abkochungdes Kotes der Seidenraupen als Ersatz für Bastseife vorgeschlagen worden.In der Regel verbraucht der Betrieb einer Couleurtfärberei die gesamteBastseife; es kommen aber auch Fälle vor, wie in der Chappefärberei, wo mandie Bastseife nicht zur Verfügung hat und dieselbe durch ein Surrogat vonetwa folgender Zusammensetzung ersetzen muss. Man löst ein kg Marseiller Seife in 40 1 kochendem Wasser, andererseits 250—300 g Leim in 10 1Wasser auf, mischt beide Lösungen zusammen, bringt sie zum Kochen undfügt portionenweise unter Umrühren 130—150 cc Provenceröl hinzu; nachkurzem Kochen ist die Lauge zum Gebrauch fertig. Andererseits trifft es sichauch, dass der Färbereibetrieb der Bastseife nicht benötigt, wie dies z. B. inder Schwarzfärberei der Fall ist. In grösseren Fabriken wird die Bastseife insolchen Fällen zur Wiedergewinnung der in ihr enthaltenen Fette etc. ver-wendet. Wie bereits gesagt, enthält die Bastseife neben freier Fettsäureund Seife die Alkaliverbindung des Sericins und das freie Sericin selbst.Versetzt man sie mit Chlorcalcium oder Kalkmilch, so bilden sich Calcium-salze sämtlicher Fette und des Sericins; der erhaltene Kuchen wird mitverdünnter Salzsäure durchgekocht, wodurch Regenerierung der Fette er-folgt, welche obenauf schwimmen und gesammelt werden können. Sie werden,wie üblich, mit Soda, eventuell mit Natronlauge, direkt in Seife übergeführt.Nach dem Verfahren von Drevon versetzt man Bastseife direkt mit schwe-felsäurefreier Salzsäure und reinigt die abgeschiedenen Fette nach bekannten