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Zweiter Band.
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Abkochen der wilden Seide.

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Verfahren. Nach Gianoli versetzt man die auf 70—80° erhitzte Bastseifemit angesiiuertem Eisenvitriol, wodurch freies Alkali abgesättigt und Fetteals Eisenseifen niedergeschlagen werden. Auf der Oberfläche schwimmt dannein Gemenge von freier Fettsäure und Eisenseife, in dem der Bast einge-schlossen ist. Man bringt es in mit Blei gefütterte Autoklaven und erhitztes mit Schwefelsäure unter einem Druck von % — s / 4 Atmosphären. DieKonzentration der Schwefelsäure hängt von dem Wassergehalt des Teigesab; man verwendet 15°/ 0 einer 15° Be starken Säure, wenn das Gemengelufttrocken ist. Die frei gewordenen Säuren sind vollständig rein und lassensich sofort wieder verseifen. Auch die eisenvitriolhaltige Lauge wird vonneuem verwendet. Taylor 1 ) behandelt die Bastseife in entsprechend ein-gerichteten Apparaten mit Chlorgas, welches die Fettsäuren abscheidet undgleichzeitig eine bleichende und reinigende Wirkung ausübt.

Die wilde Seide besitzt keinen Leim im eigenen Sinne des Wortes,d. i. einen Körper, der die einzelnen Fasern umhüllen und aneinander bin-den sollte, vielmehr ist die ganze Faser mit dem Bast imprägniert. Das-selbe ist mit dem natürlichen Farbstoff der Tussah der Fall, der nicht, wiebei der echten, in der Basthülle seinen Sitz hat, sondern die ganze Faserdurchdringt. Der Bast der wilden Seide ist ein Gemisch verschiedenerKörper, welche der Faser von Haus aus angehören, oder auch im Laufe derZubereitung von ihr aufgenommeu werden. Die rohe Tussahfaser enthältbeträchtliche Mengen (5—6°/ 0 ) mineralischer Bestandteile, welche beim Ent-basten bis auf ca. 25 % entfernt werden. Diese anorganischen Salze be-stehen aus Pottasche, Soda, kieselsaurem, kohlensaurem und schwefelsaurem'Kalk, Magnesia und Thonerde. Die organischen Bestandteile des Bastesbestehen aus einem zum grossen Teil durch Oxydation veränderten Gerb-stoff, dessen Eisenverbindung schwarzbraun ist, einer leimartigen Substanz,die durch Tanninlösung bei Vorhandensein von essigsaurem Natrium gefälltwird, und einem wachsartigen Fett sauren Charakters (ca. l°/ 0 ), das sichaus der Rohfaser leicht mit Alkohol extrahieren lässt. Der gegen chemischeAgenzien sehr widerstandsfähige, andererseits saure Charakter des Basteswilder Seiden macht zu dessen Entfernung die Anwendung alkalisch wir-kender Mittel nötig, im Gegensatz zum Baste der echten Seide, der sichdurch neutrale Seife entfernen lässt. Die Leistungsfähigkeit alkalischerEntbastungsmittel wurde für die wilde Seide gleich nach deren Erscheinenin Europa erkannt und in Form von Pottasche, Soda und Ammoniak zurAnwendung gebracht 2 ).

Unter dem Entfetten oder Degummieren versteht man eine Behandlung,welche der wilden Seide gewisse Teile ihres natürlichen Farbstoffs undBastes, sowie das ihr anhaftende Puppenfett abzieht. Das Degummierbadwird mit 10°/ 0 Krystallsoda und einer 20 bis 30fachen Gewichtsmenge Wasser

’) Engl. Patent 6331 (1885). — J ) Riot, Engl . Patent 1609 (1855).