Das Bleichen.
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der Seide sofort ein, die alsbald entfärbt wird; man wäscht gleich daraufstark aus und schwefelt nachträglich. Die Bleichkufen müssen iu abgeson-derten Raumen untergebracht werden, da die mitunter entweichenden sal-petrigen Dämpfe farbige Nuancen angreifen. Man vermeidet einen Über-schuss von Nitrosylsulfat, weil eine grössere Menge salpetriger Säure derSeide unter Mitwirkung der Luft eine dauernde Gelbfärbung zu verleihenim stände ist. Besonders während der Sommermonate, wo die Temperaturdes Bades nicht kalt, sondern lauwarm ist, muss mit grosser Vorsicht ver-fahren und die Behandlung nach Möglichkeit abgekürzt werden. Im grossenund ganzen hat das Verfahren keinen grösseren Anwendungskreis gefundenund verschwindet allmählich.
Viel bequemer und sicherer ist die Bleichmethode mit Königswasser.In einem verzinnten oder emaillierten Gefäss stellt man ein Gemisch gleicherTeile Salzsäure (1,18 spezifisches Gewicht) und Salpetersäure von 1,334 her,lässt dasselbe einige Tage bei 35° stehen und verdünnt es in einer Holz-kufe zu einem 3—4° Be starken Bade. Man zieht die Seide rasch um, bisdie anfänglich dunkelgrüne Farbe graugrünlich wird, ringt sie aus, wäschtsie und schwefelt sie noch einmal. Das Bad wird unter Verstärkung kon-tinuierlich verwendet. Den wirksamen Bestandteil dieses Bleichbades bildetdas darin gelöste Gas, Nitrosylclilorid NOCl, welches, trotz der oxydierendenEigenschaften des Königswassers selbst, in wässriger Lösung ebenso wie dasvorher angeführte Bleichmittel reduzierend zu wirken scheint.
Obwohl die Anwendung des Wasserstoffsuperoxyds für die echte Maul-beerseide heutzutage nur noch in Ausnahmefällen stattfindet und sein Ge-brauch sich ausschliesslich auf das Bleichen wilder Seiden beschränkt, somöge doch schon jetzt über seine Herstellungs- und allgemeine Anwen-dungsweise berichtet werden. Die spezielle Bleichmethode der Tussah hin-gegen soll später besprochen werden. Noch vor zwei Jahrzehnten wurdenicht die jetzt übliche wässrige Lösung des freien Wasserstoffsuper-oxyds (7/ 2 0 2 ), sondern seine Metallverbindung, nämlich das aus Baryurn-nitrat durch Glühen etc. erhaltene Baryumsuperoxyd allgemein verwendet,welches jedoch neben seiner umständlichen Anwendung noch den Ubelstandbesass, den Griff der damit gebleichten Seide zu beeinträchtigen. Tessiedu Motay gebührt das Verdienst, die Aufmerksamkeit der Fachwelt aufdas viel bequemere Wasserstoffsuperoxyd gelenkt zu haben, indem er stattdes Baryumperoxyds ein Gemisch desselben mit Schwefelsäure in der Praxiseingeführt hat. Schon im Jahre 1873 wurde Wasserstoffperoxyd als tech-nisches Produkt in Deutschland und Frankreich in den Handel gebracht,anfänglich zwar zu einem seiner Wirksamkeit nicht entsprechenden hohenPreise, bald aber billiger, da der Preis infolge des stets steigenden Konsumsbeträchtlich sank und heute kaum ein Zwanzigstel des früheren beträgt.Viele chemische Fabriken und Seidenfärbereien stellen es in einer äusserstbequemen Weise selbst dar, indem sie das Ilaryumperoxyd als Ausgangs-material benutzen. Da es sich herausstellte, dass das Wasserstoffper-