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Zweiter Band.
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Das Rot.

Farbstoff und dunkelt mit einem trüberen, tonkräftigeren nach. MittleresRussischgrün wird mit Lichtgrün stark vorgefärbt und mit Methylgrün, Echt-gelb und Amaranth nachgedunkelt. Dunkelblau wird mit Alkaliblau grun-diert und mit Indulin, Echtblau und nuancierenden Farbstoffen nachgefärbt.

Manchen Modeartikeln kommt die Eigenschaft einiger Farbstoffe, zufluorescieren, d. i. doppelfarbig zu erscheinen, zu gute. Die meisten vonPhtaleinen abgeleiteten Farbstoffe, also Eosine, auch Rhodamin, zeigen einerötlichbraune, Resorcinblau eine rötliche, Naphtylblau — weniger Naphtyl-violett — eine violettrote, Chinolingelb und Thioflavin eine grünliche Fluores-cenz. Zur Herstellung von Mischfarben mit gegebener Fluorescenz werdeneiner oder mehrere der genannten Farbstoffe verwendet, wobei man natür-lich zu beachten hat, dass sich die Fluorescenz nicht gegenseitig aufhebtund mit nicht fluorescierenden Farbstoffen vermischt; basische Farben sinddazu aus dem Grunde ungeeignet, weil sie zu viel Deckkraft besitzen. Esempfiehlt sich, sogleich nach dem Färben zu trocknen.

Obwohl eine Einteilung der Farbstoffe und Färbemethoden lediglichnach den Nuancen als unrationell bezeichnet werden muss, so ist sie dochder Übersichtlichkeit halber nicht ganz ohne Vorteile.

Seit jeher erzeugte man Rot mit den Abkochungen der Alkannawurzel(Anchusa tinctoria); man färbte die mit Alaun vorgebeizte Seide in einemschwach alkalischen Bade aus und erzielte lebhafte und sehr echte Nuan-cen. Für sehr klare, rote Farben und besonders Rosa war man früherausschliesslich auf den roten Farbstoff des Safflors (Carthamus tinctoria)angewiesen, der den Safflorkarmin oder die Carthaminsäure (C 14 // 16 0 7 )neben einem durch kaltes Wasser ausziehbaren gelben Farbstoffe enthält.Man färbte in mit Citronensaft oder Weinstein angesäuerten und höchstenshandwarmen Bädern. Für Scharlach übersetzte man den orangen Orlean-grund mit Safflor. Doch waren selbstverständlich solche Färbungen unechtgegen Licht und Luft und ausserdem sehr teuer. Mit dem Auftauchen desbilligen Rotholzes wurden unechte bläuliche Rot und Rosa massenhaft aufalaunierter Seide gefärbt und durch Übersetzen des Orleangrundes ebenfallsunechte Ponceaus und Scharlach erzeugt, die durch nachträgliches Waschenin Kalk (Calciumbikarbonat) enthaltendem Wasser ziemlich schön wurden.Um eine geringe Erschwerung zu erzielen, wurde nach dem Grundieren mitOrlean eine Galläpfelpassage gegeben, durch die gleichzeitig die Echtheiterhöht wurde. Rotholz allein wurde öfters mit der Zinnkomposition (phy-sique, tin-spirits) fixiert, welche bei den Holzfarben sehr häufig und inmannigfaltigster Zusammensetzung in Anwendung kam, und mit der manglänzendere und vollere, aber noch unechtere Nuancen erzielte, als mit Alaun.

Da die Anwendung der Farbhölzer für bunte Farben heutzutagenicht mehr ihre frühere Bedeutung besitzt, so haben auch die Zinn-kompositionen, die vor Jahren Gegenstand eines ängstlich gehüteten Fabrik-geheimnisses waren, kein grosses Interesse mehr, doch werden sie noch mit-unter, namentlich in der Souple- und Nähseidenfärberei, angewandt, so dass