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ist noch heutzutage für besonders feurige und echtfarbige Artikel vielfachin Gebrauch. Die Cochenille enthält ein Farbstoffglycosid, die Karminsäure,welche beim Kochen mit Wasser in Farbstoff, das Karminrot, und Dextrosegespalten wird. In einem mit indirektem Dampf heizbaren Bade werden jenach der Nuance 15—30°/ 0 Cochenille unter Zusatz von 25—30% chine-sischen Galläpfeln und etwa 10% Weinstein ca. 20 Minuten zusammen ge-kocht, worauf alle stickstoffhaltigen Verunreinigungen der Cochenille inForm eines schwärzlichen Schaumes aufschwimmen, so dass sie entferntwerden können. Bei ca. 60° wird mit der alaunierten Seide eingegangen,dann binnen % Stunden die Flüssigkeit zum Kochen gebracht und nochs / 4 bis 1 Stunde gekocht. Die Galläpfel (Gallusgerbsäure) wirken in derWeise, dass sie ausser einer geringen Erschwerung das Angreifen des Thon-erdegrundes durch die schwach sauer reagierende Farbflotte verhindern. Diebasisch schwefelsaure Thonerde ist mit der Seide nicht derart fest verbunden,dass sie beim Kochen nicht gelöst werden und in das Färbebad übergehenkönnte. Der Gerbstoffzusatz trägt hier, wie auch in der Krappfärberei undüberhaupt überall da, wo auf Thonerdegrund kochend gefärbt wird, vieldazu bei, die Poren der Seidenfaser zusammenzuziehen und die Exosmoseder Beize zu verhindern; freilich wird dadurch auch das Eindringen desFarbstoffs und somit der ganze Färbeprozess etwas verzögert, aber zumVorteil der Egalität und Echtheit. Der Weinsteinzusatz beruht auf derEigenschaft der Weinsäure, die Bildung gewisser Thonerdefarblacke, in demvorliegenden Falle der dunkeln und trüben Bestandteile des Cochenillefarb-stoffs, zu verhindern. Das schöne und glänzende Thonerdekarminrot gehtungehindert und rein auf die Faser auf. Es empfiehlt sich, die Cochenille-färbung zu seifen, einerseits um sie zu „schönen“, andererseits um dennicht fixierten Thonerdekarminlack von der Faser zu entfernen. Für schar-lachrote Nuancen wird die mit Orlean grundierte Seide in einem Bade aus15—30% Cochenille, 5—6% Weinstein und 30—40% einer aus 1 T. Zinn,4 T. Salzsäure, 1 T. Salpetersäure und 1 T. Wasser zusammengesetztenZinnkomposition ausgefärbt. Häufig wird Scharlach durch Vorbeizen mitChlorzinn oder Pinksalz, Seifen und Ausfärben mit Cochenille (40—50%)und Weinstein (8—10%) erzielt. Auch lassen sich direkt Scharlach - biskarmoisinrote Nuancen und zwar in einem Bade erreichen, wenn man einemehr oder weniger oxydierte Zinnkomposition verwendet; denn erfahrungs-gemäss liefern Zinnoxydulsalze mit Cochenille einen bläulichen, die Zinn-oxydsalze einen orangen Ton. Bei direktem Färben wird sehr langsam auf100° erhitzt, ca. 2 Stunden gekocht und einige Stunden im Bade stehengelassen. Um die Haltbarkeit und Ausgiebigkeit der Cochenilleabkochungenzu erhöhen, hat man, wie schon 1816 erkannt worden ist, dieselben inschwach alkalischer, meist ammoniakalischer Lösung anzuwenden. Die letz-tere wird durch mehrtägiges Stehen von gemahlener Cochenille mit Sal-miakgeist gewonnen und in üblicher Weise auf Zinnbeize verwendet.
Nicht minder echte, obwohl weniger schöne und feurige Nuancen wer-