Das Rot.
285
den mit Krapp und dem reinen künstlichen Substitut Alizarin erhalten.Unter verschiedenen Krapppräparaten wird hauptsächlich das durch Behand-lung von Krapp mit konzentrierter Schwefelsäure gewonnene Garancine oderdas mit Wasserdampf gereinigte Produkt Pinkoffin verwendet, da der Krappselbst und Krappblumen zu gelbstichige Nuancen liefern. Die alaunierteSeide wird in das mit etwas Weizenkleie und Sumacliextrakt versetzte Badbei 40° gebracht; darauf bringt man letzteres langsam binnen l'/j—2 Stun-den zum Kochen und zieht die Seide noch 20—30 Minuten um; nach demFärben wird sie in einem mit etwas Zinnsalz versetzten Bade bei 50—60°gewaschen und dann aviviert. Für Scharlach setzt man dem Färbebadeetwas Wau oder Querzitron hinzu. In vielen Fällen wird der Bequemlich-keit halber vorgezogen, mit Alizarin zu färben, wovon je nach der ge-wünschten Nuance blau- oder gelbstichige Marken zur Verwendung kommen.Man beizt kalt in einem Bade aus 6 kg eisenfreiem Alaun und 240 g Am-moniaksoda, die zusammen aufgekocht werden, auf 100 1 Wasser, während12—24 Stunden, ringt aus und fixiert in einem ebenfalls kalten Wasser-glasbade (1° Be). Nach einem ^stündigen Umziehen wird stark gewaschenund in das lauwarme Färbebad eingegangen. Das letztere wird aus 1000 1weichem Wasser und 200 1 Bastseife sowie ca. 1 1 käuflicher Essigsäure zu-sammengesetzt, deren Menge je nach der Härte des Wassers erhöht werdenmuss. Man rührt zunächst den Farbstoff (ca. 20—30°/ 0 Paste oder 5—6°/ 0Pulver) in dem mit Bastseife versetzten, korrigierten Bade auf, setzt danndas erforderliche Quantum Essigsäure hinzu, zieht die Seide 1 l i Stunde kaltum und bringt das Bad in s j i Stunden allmählich zum Kochen. Man färbtbei einer der Siedehitze möglichst nahen Temperatur aus und schönt nach-träglich in einem Bade aus 200 g Seife pro 100 1 Flotte.
Das im Jahre 1862 aufgekommene Corallin war, ebenso wie früher(1856) das Murexid, einige Zeit stark im Gebrauch. Das Fuchsin erregteseinerzeit (1859) berechtigtes Aufsehen, und bald darauf folgte eine Reihefarbenchemischer Entdeckungen, welche der Seidenfärberei eine ganze chro-matische Tonleiter vom klarsten Scharlach bis zum bläulichsten Purpur zurVerfügung stellte. Alle roten Farbstoffe der Jetztzeit aufzuzählen, würdeein Bändchen für sich beanspruchen; die typischen mögen genügen.
Die blaustichigen Rot können sowohl mit basischen wie mit saurenFarben gefärbt werden. Die vollsten und klarsten Nuancen werden durchverschiedene Marken des Fuchsins erzielt. Die basischen Fuchsine werden,wie alle basischen Farbstoffe, in frischem Seifenbade, anfänglich bei 40°,daun bei 70—80° aufgefärbt, wobei fleissig hantiert werden muss; wird dasBad kupfrig, so wird frische heisse Seife hinzugesetzt, deren Rolle etwadieselbe ist, wie die der Bastseife in sauren Färbebädem. Die Säurefuchsinevertragen auch saure Bäder und werden in gebrochenem Bastseifenbade ver-wendet. Bedeutend klarere blaustichige Rot, die indessen nicht satt sindund deswegen meist nur für Rosa Verwendung finden, sind die zahlreichenFarbstoffe der Phtaleingruppe. Sie besitzen schwach sauren Charakter und