Das Violett.
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Farbstoffe auf der Faser diazotiert und mit verschiedenen Entwicklern ko-puliert oder auch einfach in schwach alkalischem oder saurem Bade ent-wickelt, wovon noch weiter unten die Rede sein wird.
Man unterschied früher zwischen echten und unechten Violetts; dieersteren wurden mit in der Küpe nachgeblautem Cochenillegrund, die letz-teren mit übersetzter Orseille erzeugt. Die ganz unechten wurden durchKombinieren von Rotholz mit Orseille hergestellt. Auch Orseille allein warfür Violett in ausgedehntem Gebrauch. Sie enthält mehrere färbende Prin-zipien, deren Funktionen noch nicht völlig aufgeklärt sind. Sowohl durchWärme wie durch Belichtung wird die Orseille ins Blaue nuanciert; auchist sie säureempfindlich, obwohl nicht säureunecht; denn häufig wird Orseillein saurem Bade aufgefärbt und die Farbe in alkalischem Bade entwickelt.Trotz ihrer Unechtheit wird Orseille noch gegenwärtig, teils für Mode-farben, teils für blassweiurote Nuancen, das sogenannte „rouge antique“,viel verwendet, weil sie die Eigenschaft besitzt, ihren Ton auch bei künst-licher Beleuchtung nicht zu ändern. Gegen die fünfziger Jahre war dasViolettfärben mit Färberkraut oder roter Ochsenzunge stark in Gebrauch.Die mit essigsaurer Thonerde vorgebeizte Seide wurde in einem Seifenbademit alkoholischer Abkochung des Färberkrauts ausgefärbt, und man erhielteine Farbe, die sich durch grosse Echtheit auszeichnete. In den fünfzigerJahren (1857) erfreute sich ein Orseillepräparat, das „pourpre fra^ais“,grossen Erfolges, da damit erzielte rotstichige Violetts wenig säureempfind-lich waren. Das zu derselben Zeit aufgetauchte Mauvein (Harmaline) er-regte grosses Aufsehen und verdrängte in kurzer Zeit alle übrigen Violett-farbstoffe, da es sich, trotz geringer Seifenechtheit, durch seine Beständig-keit gegen Licht und Witterungseinflüsse auszeichnete. Dann kam dasParmaviolett und wurde 1862 durch das lebhaftere Dahliaviolett (HoffmannsViolett) verdrängt, das seinerseits danu wieder den Farbstoffen der Neuzeitunterlag. Zuerst kamen die Methylvioletts (Violet de Paris) in Aufnahme,die in verschiedenen Tönen von violettrot bis blauviolett färbten und nochheutzutage, da sie ziemlich echt und sehr schön sind, viel verwendet wer-den. Die neueren Säurevioletts haben den Vorteil der Säurebeständigkeitund gehen auch gleichmässiger auf als die basischen. Die blaustichigenVioletts reihen sich den blauen Farbstoffen an, so gleicht das Säureviolett6 B dem Bleu de Lyon 1111, das Säureviolett 7 B dem Methylenblau 3 11u. s. w. Primula , Orseillin und Orseilleersatz entsprechen den rotstichigenMethylvioletts. Cerasin, Heliotrop und Girofle sind in den schweizerischenund italienischen Seidenfärbereien gut eingeführte Farbstoffe. Echtsäure-violetts, Naphtylviolett, Rosolan, Formylviolett, Primula, Seidenviolett undViolamin sind die neueren Marken der deutschen Fabriken. Die meistendieser Farbstoffe sind saurer Natur und werden im gebrochenen Bastseifen-bade aufgefärbt. Einige Violetts geben ausser in saurem und neutralemauch in alkalischem bezw. im Seifenbade auf, z. B. das Alkaliviolett, undzeichnen sich durch Walkechtheit aus. Ebenfalls gut walk- und alkaliecht