Wetterechtheit der Farben. 307
Farben benutzt werden kann; doch muss man hierbei mit Vorsicht ver-fahren, um ein Streifig- und Unegalwerden zu vermeiden.
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Unter Wetterechtheit der Farben versteht man ihren mehr oder mindergrossen Widerstand gegen die atmosphärischen Einflüsse. Die Beständigkeitder Farben auf Seide beim Gebrauch setzt sich, abgesehen von der Wasch-echtheit, Reibechtheit und Säureechtheit, welch letztere auch als Schweiss-echtheit zur Geltung kommt, aus Widerständen gegen folgende Agenzienzusammen: Eiuwirkung der Lichtstrahlen, des Luftsauerstoffs, der Luft-feuchtigkeit, der in der Luft enthaltenen chemisch wirksamen Stoffe (Ozon,salpetrige Säure, Kohlensäure, schweflige Säure, Schwefelwasserstoff etc.),der Hitze der Sonnenstrahlen und der Körperwärme. Es wurde bisher mitUnrecht angenommen, dass von den Lichtstrahlen der Sonne nur die soge-nannten photographischen, d. i. die blauen', dann die violetten und ultra-violetten Strahlen, die Farbstoffe zu ^beeinflussen vermöchten, die rotenStrahlen aber ohne Wirkung seien. Alle Farbstoffe würden, wenn dieseAnnahme richtig wäre, den blaufreien Lichtstrahlen ausgesetzt, gar keineVeränderung erfahren, was indessen nicht zutrifft. Unter den gewöhnlichenVerhältnissen sind es gerade die brechbaren Lichtstrahlen (Rot, Orange,Gelb und Grün), welche die Oxydation herbeiführen; in vielen Fällen näm-lich ist das Licht als ein die Oxydation, d. i. die Zerstörung der Farben,begünstigender Faktor anzusehen. Die Eigenschaft des auf der gefärbtenFaser aufgesetzten blauen Kupferoxydhydrats, die Lichteinwirkung abzu-schwächen, beruht wohl weniger auf der Absorption der photographischenLichtstrahlen durch das letztere, als darauf, dass das Kupferoxyd als wasser-uudurchdriuglicher Körper den Zutritt der Feuchtigkeit und des Sauerstoffsder Atmosphäre abhält und auf diese Weise den Belichtungseffekt bedeutendherabmiudert. Zu demselben Zweck der Verhinderung des Luftzutritts dientdie in der neueren Zeit so modern gewordene fette Appretur (Fette, Pa-raffin, Wachs) sowohl für farbige, wie für schwarze Seiden. Das Lichtallein hat auf die meisten Farbstoffe nur eine äusserst geringe Wirkung;sogar das binnen wenigen Stunden verbleichende Cyanin ist in der Luft-leere nicht lichtempfindlicher, als Indigo. Zu erörtern ist im besonderendas Verhalten einiger natürlicher Farbstoffe gegen Licht und Luft. Einealkoholische Lösung des Chlorophylls bleibt am Lichte so lange grün, alsder Luftsauerstoff keinen Zutritt hat; beim Zutritt desselben aber tritt dieGelbfärbung infolge der Oxydation ein. Dagegen verbleicht die Curcuma-färbung unter Lichteinwirkung auch in der Luftleere gänzlich, um an derLuft nicht wieder zurückzukehren. Auch das Berlinerblau verschwindet,die. Färbung kommt indes au der Luft zurück; die Entfärbung, tritt- zuersthei Seide, dann bei Baumwolle und schliesslich bei Wolle ein; die Feuchtig-
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