Stückfarberei.
3 18
di e sich erst während derselben Zeit im Strang färben und dann verwehenlassen. Eine ganz spezielle Branche ist die Fabrikation mehrfarbiger Ge-webe mittelst des Stückfärbens. Nicht immer lassen sich die bereits fertiggefärbten Seidengespinste unter sich und mit anderen Textilfasern verweben,denn es treten dem oft unüberwindliche technische Schwierigkeiten ent-gegen. Auch ist das Färben im Stück in mehrfachen Hinsichten ökono-mischer. Es ist dabei möglich, ein aus lauter Seidengespinsten ange-fertigtes Gewebe in verschiedenen Tönen einer Nuance zu färben, da sichSouple und Ecru anders gegen viele Farbstoffe verhalten, wie die abgekochteFaser, doch wird diese Färbemethode selten angewandt. Bei stückfarbigenhalbseidenen Atlassen besteht die Kette aus Grege und der Einschlag ausBaumwolle und unter Umständen aus Streifen echtfarbigen Organsins. Umin solchen Geweben mehrfarbige Effekte zu erzielen, was in gewöhnlicherWeise zu bewirken unmöglich ist, da sich die entbastete und gefärbte Gregenicht verweben lässt, präpariert mau 1 ) die Gregegespinste vor dem Ver-weben mit Eisen-, Zinn-, Chrombeizen etc. und führt sie dann durch fetteBäder, um die Metalloxyde zu fixieren, sie einigermafsen zu schützen unddie Grege beim Weben widerstandsfähiger zu machen. Man verwebt nundie so präparierten Gespinste unter sich und mit den nicht präpariertenund erhält beim Färben dieser Gewebe mit beizenziehenden Farbhölzern,Alizarinfarben etc. verschiedenfarbige und farblose Effekte. Dieses Ver-fahren wurde auf ganzseidene Gewebe in der Weise ausgedehnt 2 ), dassnicht nur die Grege, sondern auch die gezwirnten Gespinste (Ouvrees), wieOrgansin, Trame etc. vor dem Verweben präpariert werden, um daun beimFärben im Stück von den übrigen mitverwebten, aber nicht präpariertenGespinsten verschiedene Nuancen anzunehmen. Das Verfahren erstreckt sichauf Fälle a) wo Ouvrees vor dem Verweben gebeizt, mit nicht gebeiztenOuvrees verwebt und sodann beide im Stück gefärbt werden, b) wo nichtentbastete Grege vor dem Weben gebeizt, mit nicht gebeizten Ouvrees ver-webt und ausgefärbt werden und schliesslich c) wo Ouvrees für sich vor-gebeizt, mit nicht präparierter Grege verwebt und daun gefärbt werden.Auf demselben Prinzip beruht ein früheres Verfahren von Lange 8 ), welchesdie einzelnen Gespinste vor dem Verweben mit Metallsalzen präparierenlässt, die indessen im Gegensatz zu den Beizen, beim nachträglichen Aus-färben nicht farbstoflfanzieheud, sondern farbstofifabstossend wirken sollen.Die Gespinste werden mit einer der Reserven: essigsaurem Natron, essig-saurem Kalk, Soda, Natronhydrat (V), Thonerdenatron, Kreide oder Baryum-karbonat imprägniert und mit nicht imprägnierter Seide zusammen verwebt.Das Gewebe wird dann z. B. mit Anilinschwarz geklotzt, im Oxydations-kasten oder in der Hänge entwickelt, chromiert und eventuell geseift. Diemit der Reserve imprägnierte Seide bleibt farblos, da die genannten alka-
l ) D. R.-F. 65785 (Zillessen). — ! ) Zillessen, D. R.-P. 70145. — 8 ) D. R.-P.
63884.