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Zweiter Band.
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Halbseidenfärberei.

Die Färberei der Halbseidenstoffe, d. i. solcher Gewebe, in denen Seidemit anderen Gespinstfasern zusammen verwebt ward, ist, obwohl älteren Da-tums, so doch erst in der Neuzeit zu der Entwickelung gelangt, die ihr inquantitativer Hinsicht den ersten Platz verschafft hat. Abgesehen von demBestreben, die Seidenfabrikate durch Mitverweben eines unsichtbaren Schusses,wie Baumwolle, bedeutend zu verbilligen, was auch unter Anwendungstrangfarbiger Gespinste möglich war, liegt der Wert der Halbseidenfärbereidarin, dass sie gestattet im Stück zu färben. Dadurch wird die Anwendungder ungezwirnten Rohseide, der Grege, ermöglicht, weil sich dieselbe nurin rohem, uneutbasteten Zustande verweben lässt. Die daraus entspringendenVorteile sind in ökonomischer und technischer Beziehung so bedeutend, dassman jetzt, wo es nur angeht, bestrebt ist, statt feinfädigen Organsins dieGrege einzuführen.

In den meisten Fällen werden Kammgarne mit roher Grege, seltenermit Trame oder Organsin verwoben. Diese Gewebe haben daher in ersterLinie einen Reinigungsprozess durchzumachen, der sowohl die Wolle vonSchweiss, Schlichte und beim Weben hineingeratenen Schmutz, sowie dieSeide von ihrem Bast befreien soll. Diese Aufgabe wird dadurch erschwert,dass die Wolle in den starken und heissen Bädern, die zum Entbasten derRohseide erforderlich sind, die Neigung zeigt, ihr Gefüge zu verlieren undzu filzen. Man wählt daher zu solchen Geweben vorzugsweise die Kamm-wolle, welche die Eigenschaft des Krumpfens in viel geringerem Mafsezeigt, als Streichgarne; jedoch verfilzt dieselbe nicht selten derart, dass sieden Seidenfaden vollständig verdeckt. Um diesen Übelstand aufzuheben,muss man seine Zuflucht zum Brennen der Wolle nehmen, einer Behand-lung, die in der Appretur der Kammgarnstoffe von grosser Bedeutung ist.Der allgemeine Gang der Vorappretur der Wollseidenstoffe besteht im fol-genden. Aus der Weberei kommen die Stücke zur Senge, wo der äussereFlaum durch Abbrennen entfernt wird, und dann zum Krabben, welchesder Wollfaser ihre Filzkraft nehmen soll. Das Krabben besteht in einerBehandlung mit kochendheissem Wasser, unter Mitwirkung von starkemDruck, indem das auf einer rotierenden Walze aufgedockte Gewebe voneiner anderen schweren Walze gepresst wird. Durch die Hitze und denDruck wird die Wolle „verbrannt“, d. i. ihr Krumpfvermögen wird zumgrossen Teil aufgehoben und die Gestalt des Fadens im Gew’ebe derartfixiert, dass das letztere bei den nachfolgenden Operationen von seinerTextur nur wenig einbiissen kann. Dem heissen Krabben, das in zweiTrögen nacheinander geschieht, folgt eine Behandlung mit kaltem Wasserin einem dritten Troge, doch ist es vorteilhaft, die Ware statt dessen auder Luft verkühlen zu lassen. Es würde zu weit führen, eine genaue Be-schreibung der Krabbpraxis zu geben, es mag aber erwähnt werden, dassdie Höhe und Anwendungsart des Druckes von dem Glanz und Griff ab-häugt, den man dem Stoff verleihen will; die Gloriastoffe, die eine dichteTextur besitzen sollen, da sie zu Regenschirmen Verwendung finden, werden