dann der Bundesrath das Post- und Baudepartement, einen Lehrkurs für den Unterricht der Ober-telegraphisten anzuordnen und die sofortige Auskündung zu freier Bewerbung für die Theilnahmean diesem Kurse zu erlassen. Bon 198 Angemeldeten wurden zirka 100 zu dem Lehrkurse einberufen.Am 22. März 1852 wurde das Post- und Baudepartement ermächtigt, die Herren Hipp aus Reut-lingen und Kaiser aus Rappersweil für die unmittelbare Leitung der zu errichtenden Telegraphen-werkstätten auf die Dauer der ersten Erstellung der telegraphischen Apparate einzuberufen. — Unterm16. April theilte der Bundesrath die sämmtlichen Telegraphenlinien in der Schweiz in 4 Inspektions-kreise und ernannte die Inspektoren für dieselben, und am 30. Juni den Herrn Ingenieur Joh.Wild in Zürich zum schweizerischen Telegraphendirektor, so wie am 8. Juli Herrn Hipp zum Ma-schinendirektor (letztem auf 3 Jahre).
Nach Eingang der nöthigen Erfordernisse wurden nun die Linien unter Leitung der 4 In-spektoren erstellt, wobei in den meisten Kantonen die Kantonalingenieure vorzüglich gute Diensteleisteten, so daß die ersten Linien schon in den Monaten Juni und Juli eröffnet werden konnten.Bis Ende Jahres war das ganze Netz (von fast 400 Stunden Länge) erstellt, mit Ausnahme derLinie durch das Wallis , die wegen geringer Theilnahme dieses Kantons und wegen verweigerterFortsetzung auf sardinischem Gebiet noch unausgeführt blieb. Nur in wenigen Fällen mußte dieLeitung unterirdisch erstellt werden, weßhalb die Expropriationskosten größtentheils vermieden werdenkonnten. Für Erstellung der Apparate hatte man die Ausschreibung versucht, allein da wegen derkurz anberaumten Lieferungsfrist allzu hohe Preise gefordert wurden, so zog man es vor, eine eigeneWerkstätte zu errichten, in welcher dann auch die Herstellung der meisten Theile (mit Ausnahme derEbauches für die Morse 'schen Apparate) aufs beste verfertigt wurden. Die Sekundenpendeluhren wur-den ungemein billig und gut von Sumiswald bezogen. Mit Ende des Jahres 1852 waren 115Apparate mit Zugehör vollständig ausgeführt.
Nach Herstellung der Linien und zum Theil schon während derselben wurden für den Anschlußdes schweizerischen Telegraphennetzes an die ausländischen Telegraphenlinien Unterhandlungen ange-knüpft. Für den Anschluß der Linien in Basel, Rheineck, Altstetten, Chiasso, Brissago und Genf zeigte- sich sogleich Bereitwilligkeit; allein die Verträge konnten bis Ende des Jahres nur mitOesterreich und Frankreich abgeschlossen werden. Mühsamer waren die Unterhandlungen mit denKantonen, resp. den Gemeinden, die ein Telegraphenbureau zu erhalten wünschten; doch gelang esmittelst Kommissarien auf gütlichem Wege sich zu verständigen. Es wurde nämlich u. a. die Ent-richtung eines jährlichen Beitrags an die Kosten dieser Bureaux von 3 Fr. für je 100 Seelen derBevölkerung mit einem Minimum von 200 Fr. für jedes Bureau von der betreffenden Gemeindeverlangt und die Dauer der Verpflichtung aus 10 Jahre festgesetzt. — Der Betrieb wurde in dengrößer» Telegraphenbureaux den Obertelegraphisten, in den kleinern Bureaux der Zwischen - undMittelstationen an Telegraphisten übertragen, wofür die ordentlichen Posthalter in Anspruch genom-men wurden.
Um dann die Obertelegraphisten^mit ihrem Dienst genau vertraut zu machen, wurde ein be-sonderer Kurs im Theoretischen und Praktischen des Dienstes angeordnet. Eine sehr ausführlicheund faßliche Instruktion verdankt man dem Herrn Experten; ferner wurde ein Reglement für dieBenutzung der Telegraphen für das Publikum entworfen, so daß zu Anfang Dezember die Eröff-nung der Telegraphenbureaux zu regelmäßigem Betrieb stattfinden konnte.