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Memorabilia Tigurina oder Chronik der Denkwürdigkeiten des Kantons Zürich 1850 bis 1860 / von G. v. Escher
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tonalarmenpflege über und gleichzeitig wurde derselben die Aufgabe der Vorberathung von Maß-regeln gegen Verarmung, für welche der Regierungsrath unterm 14. April 1849 eine besondereKommission bestellt und zu deren Lösung die letztere verschiedene Gesetzesentwürfe vorbereitet hatte,übertragen. Dahin gehört auch namentlich ein einläßliches Kreisschreiben an die Gemeinds- undBezirksarmenpflegen, in welchem die wesentlichsten Seiten der Aufgabe der Armenbehörden be-leuchtet, die vorhandenen Mangel im Armenunterstützungswesen hervorgehoben, zweckdienliche Maß-regeln vorgeschlagen und empfohlen werden u. s. f.

Obgleich im Jahr 1850 der glückliche Fortgang der Industrie auf das Armenwesen einengünstigen Einfluß zu üben schien, ging derselbe gegen das Ende des Jahres schon wieder zur Neige,so daß sich der Stand der Armuth bald wieder ungünstiger gestaltete, und schon im Jahr 1852vermehrte sich die Zahl der Bedürftigen, besonders wegen des Stockens der Baumwollengewerbeund der eingetretenen Kartoffelkrankheit. Im Jahr 1853 wurden die Verhältnisse wieder etwasbesser, aber bald daraus bot sich (schon 1854), wegen des gänzlichen Stockens einiger der wich-tigsten Industriezweige, ein trübes Bild der Noth, so daß die Zahl der Unterstützungsbedürfti-gen sich in vielen Gemeinden in erschreckender Weise vermehrten. Dieselben ungünstigen Faktorenwirkten noch im Jahr 1855 fort, so daß auch dieses Jahr zu den Nothjahren zu zählen ist. ImJahr 1856 schienen die Armenverhältnisse wieder etwas günstiger zu werden, aber die hohenLebensmittelpreise drückten noch immer stark auf die ärmere und Mittelklasse und obgleich die reicheErnte des Jahres für 1857 zu Hoffnungen für baldige Minderung der Noth zu berechtigen schien,bewährten sich dieselben nur teilweise. Ungeachtet der verderblichen Handelskrisis gegen Ende desJahres, die in ganz besonverm Maße das Seidengeschäst betroffen hatte, schien im Jahr 1858 dieLast der Armenunterstützung allmälig im Abnehmen begriffen zu sein, was sich im Jahr 1859 bestätigteund trotz ungünstiger Ernte und zum Theil immer noch schwierigen Erwerbsverhältnissen auch imJahr 1860 nicht nachtheiliger gestaltete.

Die Quellen, aus welchen die Mittel für die Unterstützungen geschöpft wurden, sind in diesemDezennium dieselben wie früher geblieben, voran die freiwilligen Kirchen- und andere Liebes-steuern, die gesetzlichen Armensteuern und die Beiträge des Staates. Ferner trugen zur Linderungder Noth in aneikennenswerthester Weise zahlreiche gemeinnützige und Wohlthätigkeitsvereine, so wieSparkassen und das kräftige Einschreiten der Regierung gegenüber einiger verarmter und schlechtverwalteter Gemeinden bei. Nachhaltig wirken auch die Verordnungen betreffend Gründung undAeufnung von Armengütern, wozu auch die Rückerstattungen von früher empfangenen Armenunter-stützungen wesentlich beitragen.

Als die hauptsächlichsten Ursachen der Verarmung werden von den meisten Armenbehördenaußer der schon erwähnten zeitweisen Stockung verschiedener Industriezweige, Mißwachs und Theu-rung der Lebensmittel, der Leichtsinn und die Liederlichkeit vieler Familienväter angegeben, welchedie Verpflegung ihrer Kinder den Armenbehörden überlassen; die vielen unbemittelten Ehen, diehäufigen Unzuchtsvergehen und die daraus entspringenden unehelichen Kinder, die Prozeßsucht, dieübermäßig zahlreichen Wirthschaften, die vielen verlockenden Ankündigungen von Tanzbelustigungcn,Kegelschieber, u. s. f. und sicherlich auch der leichtsinnige Güterkauf Unbemittelter u. v. A. mehr.

Als Mittel diese, die Verarmung so sehr begünstigenden Ursachen zu beseitigen, wird die Er-richtung von Korrektionsanstalten, Arbeitshäusern, die Verschärfung des Armenpolizeigesetzes, strengere