Fischzuchtanstalt in Meilen
1854.
Die im Kanton Zürich , wie in vielen andern Staaten gemachte Wahrnehmung, daß die Ge-wässer in Folge der Vermehrung der Wasserwerke, der Uferbauten und aus vielen andern Ursachenimmer mehr veröden, veranlaßte die Finanzdirektion, den Seefischenzenaufseher zu beauftragen, dievon der französischen Regierung mit bedeutenden Kosten in Hüningen errichtete Anstalt fürVermehrung der Fische in den dortigen Gewässern und für Einführung edler Sorten ausandern Gegenden zu studiren. Gestützt auf die sorgfältigen Beobachtungen und gründlichen Berichtedieses Experten wurde im Laufe dieses Berichtsjahres in Meilen eine ähnliche Anstalt eingerichtet,m welcher im Wintermonat ungefähr 25,000 Eier von Seeforellen (8nlmo truttn) und Zugerrötheln(8almo Lalvellinuo) , welche letztem aus dem Zürchersee seit längerer Zeit verschwunden sind, ein-gesetzt, die sich trotz der gefahrdrohenden Winterkälte unter der intelligenten und eifrigen Leitungdes Aufsehers ohne Ausnahme ganz normal entwickelten. Leider wurde diese ganze Brüt von unbe-kannt gebliebener Hand durch ungelöschten Kalk getödtet und so der Erfolg eines ganzen Jahrcs-betriebs vernichtet, indem die im Frühjahr laichenden Sorten theils wegen ihres geringen Werthes,theils wegen ihrer Schädlichkeit sich nicht zu künstlicher Vermehrung eignen. Die bisher gemachtenErfahrungen reichen indessen hin, die Ueberzeugung zu begründen, daß es mit verhältnißmäßig ge-ringen Kosten gelingen wird, den Ertrag der Fischerei bedeutend zu erhöhen und dadurch auch mittelbardurch die Vermehrung der Fischenzenzinse auch für den Fiskus eine vergrößerte Einnahme zu erzielen.
1855.
Im Mai und Brachmonat dieses Jahres wurden Versuche für künstliche Produktion von Weiß-fischen gemacht, als: Röthelen, Rothauge (0/prinu8 rutilrm), Nasen (6^pr. nasus) und gemeinerPfrille (O^pr. pkoxinus), die als Speise der Forellen und überhaupt der fleischfressenden Fische,behufs Erleichterung der Aufzucht dieser letzteren bestimmt waren; ebenso mit Schlehen (6^pr. tinca),tie alle im Verhältniß der eingesetzten Brüt sich ganz normal entwickelten und im Ganzen 10- bis12,000 kleiner Fische lieferten. Versuche mit Hechten und Barschen (Lsox Imeius und koren lluvin-tilis) glückten ebenfalls vollkommen, jedoch ließ man es bei den bloßen Versuchen bewenden, da dieFortpflanzung dieser Raubfische gefährlich für die edleren Fischarten werden konnte. Um dann womöglich ein namhaftes Quantum Forellen und insbesondere Grundforellen (Salmo trutta ) erzeugenzu können, wurden mit hiesigen Fischlieferanten, sowie mit Fischern an der Linth schon im Juliund August Lieferungsverträge abgeschlossen; allein bei der Laichzeit (Weinmonat und Wintermonat)wurden weder in der Linth noch im See solche Fische gefangen. Man mußte sich daher auf die größernForellen, welche die Anstalt seit der letzten Laichzeit aus dem Murgsee noch im Besitze hatte, alseinzigem Erzeugungsmittel beschränken. Die Ausbeutung derselben lieferte ca. 9000 Eier in die Brut-kanäle. Um jedoch die Laichperiode nicht ungenutzt vorbeigehen zu lassen, verfügte sich der Aufseher mitseinem Gehülfen an den Zugersee, um Versuche mit den bekannten Rötheln (8almo 8alvelliau8) vor-zunehmen und es gelang ihm ca. 20,000 Eier einzusammeln und sie befruchtet der Anstalt zuübergeben. Hierauf begab sich der Aufseher an den Bodensee , um Versuche mit Ganzfischen (8almowLrWliula) anzustellen. Bei — 13° Kälte mußte der Laich eingesammelt werden, und obwohl fürdie Befruchtungshanvlung selbst temperirtes Quellwasser benutzt wurde, so hatte er doch alle Mühe,