Buch 
Memorabilia Tigurina oder Chronik der Denkwürdigkeiten des Kantons Zürich 1850 bis 1860 / von G. v. Escher
Entstehung
Seite
488
JPEG-Download
 

488

Mordthaten, Mordanfälle, Todtfchläge und kulpöse Tödtungen

1851.

(Januar.) Auf der Straße von Egg nach Zürich wurde der Hebräer Guggenheim von Lengnau räuberisch angefallen und mit 5 Messerstichen lebensgefährlich verwundet. — Der Thäter, HeinrichFrei von Egg, wurde entdeckt und (im März 1852) vom Kriminalgericht zu 16 Jahren Keiten-strafe verurtheilt; allein das Obergericht verschärfte (im Mai) die Strafe aus 20 Jahre. Guggen-heim erhielt eine Entschädigung von 2500 Fr.

(Februar.) Johannes Schlumps, der den Exerziermeister Wild in Mönchaltorf erstach, wurdevom Kriminalgericht nur zu 3 Jahren Gefängniß verurtheilt, weil er die That im höchsten Gradevon seinem Gegner gereizt begangen hatte.

(Juni.) In Stäfa verwundete ein Sohn seinen Stiefvater durch einen Messerstich lebens-gefährlich.

Zimmermann Meier von Eglisau wurde vom Kriminalgericht wegen Mordversuch an seinerFrau zu 9 Jahren Zuchthaus verurtheilt.

(Oktober.) Endlich wurde man in Schwyz des verwegenen Diebes habhaft, der schon seitLangem eine Reihe von nächtlichen Einbrüchen in und um Zürich begangen hatte. Es ist einSchriftgießer Ammann, Sohn eines würtembergischen Barbiers, der mit einer Zürcherin verhei-ratet war, welche nun nach Zürich zurückgekehrt ist. — Derselbe wurde nach Zürich gebracht, aberdes Mordes an Käshändler Gerber in Thun verdächtig an Bern ausgeliefert. Eine Schnapsflasche,die dem letztem angehört hatte, sowie ein in Geheimschrift geführtes, aber entziffertes Tagebuch desAmmann verriethen diesen als den wahrscheinlichen Mörder. Er wurde des Mordes überführt, starbaber im Gefängniß.

1852.

Ein gewisser Kaspar Schärer von Hütten hatte seine kranke Frau sehr übel behandelt, so daßsie bald darauf starb. Das Kriminalgericht verurtheilte ihn wegen kulpöser Tödtung zu 6 MonatenGefängniß und 100 Fr. Buße.

(September.) Eine Anna Gubelmann von Goßau, wohnhaft in Wetzikon , hatte ihre Enkelin,das uneheliche Kind ihrer Tochter, umgebracht, das Kriminalgericht verurtheilte sie zum Tode; alleinder Große Rath begnadigte sie (am 29. September) mit 170 gegen 13 Stimmen.

(November.) Wegen des an Herrn Lieutenant v. Clais bei Winterthur versuchten Raubmordeswurde der Metzger Daniel Greuter von Rickenbach trotz beharrlichen Läugnens zu 12 Jahren Ketten-strafe verurtheilt.

Im Neftenbacher Walde wurde ein Metzger von Zürich räuberisch angefallen und durch einenDolchstich in die Brust verwundet; allein der Hund des Metzgers packte den Räuber an und rißihm Stücke Fleisch aus dem Gesicht und dem Leibe, so daß er verhaftet werden konnte.

(März.) In Enge fand man die Leiche einer Verena Meier von Dietikon , die durch einenKunstgriff offenbar erwürgt worden war, und bald darauf (7. März) bei der Stadelhofer-Mühlewieder eine durch ein ähnliches Zusammenpressen des Kehlkopfs getödtete über 40jährige MariaJosephine Bühler von Großwangen, Kt. Luzern . Beide Verbrechen wurden nach vorhergegangenenoder während unzüchtigen Handlungen und zwar unzweifelhaft von demselben Subjekte verübt. AusEntdeckung des Mörders wurden 500 Fr. Belohnung ausgesetzt. Derselbe wurde bei einem dritten