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Erster Band. Entwickelungsgang und Bildungsmittel der Menschheit.
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Baukunst: Gotische Epoche.

Seiten eines Zehnecks, die von einem Umgang umgeben sind. Ein großer gotischer Bander Spätzeit ist der Dom S. Petronio zu Bologna , indes wurde nur das Langhaus aus-geführt. Einem dreischiffigen Langhaus, welches sich durch äußere Kapellenreihen fünf-schiffig erweiterte, sollte ein ebensolches Querhaus angebaut werden, der Chor sollte alsFortsetzung des Langhauses so gebildet werden, daß das Mittelschiff einen Umgang mitKapellenkranz erhielte, der durch eine fortlaufende äußere Mauer eingeschlossen würde.Die Biernng endlich sollte nach italienischer Art mit einer mächtigen, achteckigen Kuppelbedeckt werden. Eine Vereinigung altitalienischer und nordisch-gotischer Motive zeigt dieFranziskanerkirche S. Antonio zu Padua . Hier sind Mittel- und Qnerschiff mit Kuppelnbedeckt, zwischen den Hanptpfeilern stehen durch Spitzbogen verbundene Nebenpfeiler, überdenen sich der nur durch ein Geländer vorn Mittelschiffraum getrennte Umgang hinzieht.Das bedeutendste Werk italienischer Gotik, der Dom zu Mailand , zeigt einen ganz lom-bardischen Grundplan. Diese im Langhaus fünfschiffige, im Querbau dreischiffige Kathedralewirkt weiträumig und entbehrt der energisch aufstrebenden Tendenz nordischer Gotik; denndie Seitenschiffe sind so hoch gehalten, daß sie dem Ganzen einen hallenartigen Charaktergeben. Über der Vierung erhebt sich wieder die italienische Kuppel. Das Äußere des Domes,der aus Marmor erbaut ist, verrät allerdings in der Bildung des einzelnen die wiederholtstattgehabte nordische Beeinflussung durch deutsche und französische Meister. In S. Croce in Florenz griff Arnolfo di Lapo wegen der bedeutenden Breite des Mittelschiffes bereitswieder zu dem offenen Dachstuhl der altchristlichen Zeit zurück. Derselbe Arnolfo errichteteden Neubau des Domes in Florenz mit einer bedeutenden Weite des Mittelschiffes. DerDom wurde später durch Giotto wcitergebaut und verändert; das Äußere desselben wurdemit buntem Marmor bekleidet. Dieselbe Bekleidung erhielt der frei neben der Kirche stehendeCampanile (Glockcntnrm). Die große Kuppel des Domes wurde später durch Brunelleschi im Stil der Frührenaissance errichtet. Die Italiener machten die Kirchenfassaden zuselbständigen Kunstwerken, welche nicht in strengem Bezug zum Innern stehen, und derTurmbau wird nicht mit dem Fassadenbau verschmolzen. Die Fassade des Domes zuSiena, ein überaus prächtiges Marmorwerk, wurde durch Giovanni Pisano errichtet.Die drei Portale sind mit Rundbogen überdeckt, über welchen Spitzgiebel stehen. Über demmittleren Portal steigt ein Giebelbau auf, der ein großes Rundfenster ohne Maßwerk enthält;die Seitentürme der Fassade sind vorhanden, aber im Unterbau nicht genügend vorbereitet.Organischer ist der Aufbau der Fassade am Dom zu Orvieto , indes ist das breitere Mittel-portal hier wieder rundbogig. Überhaupt stellt sich von der Mitte des 14. Jahrhundertsab, besonders in Toscana , mehrfach die Rückkehr vom Spitzbogen zum Rundbogen ein.

Auf dem Gebiete des Profanbaues hat Italien wahrhaft großartige Leistungender gotischen Periode auszuweisen. Die Hauptformen des gotischen Stiles, das mitRippen versehene Kreuzgewölbe, der Spitzbogen, demnächst die dekorativen Schmuckformen,werden mit künstlerischer Freiheit benutzt, um einmal den trotzigen Charakter des wehr-haften Palast- und Burgenbaues, dann die selbstbewußte Mächtigkeit der städtischen öffent-lichen Gebäude und endlich die zierliche Leichtigkeit der offenen Hallenbauten in denunteren Stockwerken der Gebäude zum Ausdrucke zu bringen. So zeigt der Palazzo publico zu Siena einen ausgesprochen burgartig-kriegerischen Charakter, indem das untereStockwerk dem unbefugten Eindringen Fremder eine möglichst einheitliche, geschlosseneMauermasse entgegensetzt. Der obere Abschluß des Palazzo erfolgt durch einen Kranzmächtiger Zinnen, und an der Seite desselben steigt ein das Ganze beherrschender Turmempor. Übrigens erhielt jede Ritterwohnnng in den Städten ihren Turm, so daß dieGesamtansicht von Siena oder Sau Gimignano dem Aussehen einer neueren großenFabrikstadt mit ihren riesigen Schornsteinen nahekommt. Die Wehrhaftigkeit der städtischenBurgen verhindert indes nicht die schöne Ausbildung der Einzelsormen; so enthalten diespitzbogigen Fenster oft ein mit Anmut ausgeführtes Maßwerk. Die klare und zweckmäßigeHauptordnung dieser meist um einen inneren Hof gegliederten Burgbauten tritt gegen diedes Nordens vorteilhaft hervor. Es fehlt in Italien auch nicht an Bauten zu friedlichenZwecken, welche in den für Versammlungen und den Handel bestimmten offenen Hallenzur Erscheinung kommen. Viele Häuser, die im Erdgeschoß mit Arkaden versehen sind,