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Erster Band. Entwickelungsgang und Bildungsmittel der Menschheit.
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Gotische Bollwerke in Italien .

mit einer reich geschmückten Architektur stehend und durch die Ausführung in Marmor erheblichin der Wirkung gesteigert. In der Regel ist der Sarkophag mit der liegenden Gestalt desVerstorbenen dargestellt, und darüber erhebt sich ein spitzbogiger Baldachin. Noch reicher in derAnordnung zeigen sich die Grabmäler der Fürsten aus dem Hause Aujou in S. Chiara inNeapel . Ein "Hauptdenkmal Veronas sind die in Marmor ausgeführten Grabmäler derSkaliger . In der Hauptsache ist hier wieder ein Sarkophag mit der Figur des Verstorbenengegeben, der von einem Tabernakel bekrönt wird. Am Grabmal des Can Siguvrio della Scalasteht die Reiterstntue desselben über dem Baldachin. — Die italienische Malerei der gotischenPeriode vertritt der große Florentiner Motto. Seine Zeichnung und Modellierung ist nochmangelhaft, sein Kolorit unansgebildet: jedoch liegt seine epochemachende Leistung in der er-schöpfenden Schilderung der sittlichen Bedeutung des historischen Vorganges. Die^ Schule vonSiena mit den Meistern Simone Martini, Lippo Memmi, den Lorenzetti u. a. ist anmutigerals die florentinische, namentlich in der Wiedergabe des sienesischen Frauenideales; aber dieMänuertypen der Schule lassen die scharfe Charakteristik vermissen. Die Schule Mottos führtmit Andrea Orcagnn, mit den Gaddi u. a. zur Renaissance über. Fra Giovanni Angelico daFiesole gibt noch einmal den Höhepunkt der gotischen Schule im höchsten Ausdruck überirdischerReinheit und Innigkeit wieder und steht in dieser Hinsicht in einer Parallele zur kölnischenSchule. Die italienischen Glasmalereien folgen im ganzen den nordischen Vorbildern.

Rückblickend auf die Epoche der gotischen Kunst läßt sich allerdings sagen, daß sichdiese nicht zu einem Weltstile, ähnlich wie die der hellenisch-römischen Epoche entwickelt;die Gotik blüht ausschließlich in Europa , und selbst hier mit der Einschränkung, daß ineinigen Gegenden fortgesetzt die antike Schnltradition bestehen bleibt, welche die kommendeRenaissance vorbereitet. Immerhin bedeutet die Gotik für die mitteleuropäischen Völkerden originellsten und nationalsten Ausdruck ihrer Kunstphantasic. In ihrem Beginn undihrer Blütezeit war die Gotik zwar eine vorzugsweise kirchliche Kunst, aber ihre für denKirchenban erfundenen Formen sind später mit Glück auf die Profangebäude übertragenworden. Die Dekoration und Figurenmalerei der Gotik sind entschieden volkstümlich undverständlich, ähnlich den griechischen, obwohl sie diese an formaler Schönheit niemals ganzerreichen.

XI. Epoche der Früh- und Hochrenaissance.

Die Renaissance kann in Italien , ihrem Nrsprungslande, als eine Wiedererweckungder römischen Antike gelten; hier war der Geist der Antike niemals ganz gewichen und mirzeitweise durch das Eindringen der germanisch-mittelalterlichen Stilformen in der Fort-bildung gehemmt. In Italien entwickelte sich die Renaissance streng national und wurdeauch durchaus von einheimischen Künstlern erfunden. Es handelte sich hier um ein Abweisendes germanisch-gotischen, wie des byzantinisch-orientalischen Einflusses, zugleich um eine Rück-kehr zu den alten klassischen Überlieferungen der römischen Vorfahren, letzteres wenigstens derIdee nach. Indes konnte die Renaissance doch nur bedingungsweise eine Wiedererweckungder Antike sein, denn die jetzt herantretende Notwendigkeit, den ganzen Kreis moderner Ideenin sich aufnehmen und ausprägen zn müssen, gab der neuen Kunst eine andre von der Antikeabweichende Richtung. Zum Teil konnte die Renaissance in Italien an die romanischeKunst anknüpfen, die hier mehr als anderswo ein antikisierendes Gepräge bewahrt hatte;anderseits gab die Hochrenaissance in ihrer Ausbildung einem unbedingten akademisch-klassischen Zuge nach und meinte, den ganzen Umfang der römischen Knnstideen in ihrenKreis aufnehmen zu können. Aus dieser einseitigen Übertreibung folgte für die Hoch-renaissance ein Gegensatz zur christlich-germanischen Kunst des Mittelalters, den endlicherst die Spätrenaissance abschwächte, wenn auch niemals ganz verwischte. Welche Einbußean idealer Höhe indes die kirchliche Kunst erleiden mag, jedenfalls gewinnt die weltlichean ausführlicher Breite und wird hinter dem Auftreten der Renaissance stilistisch unab-hängig, während sie früher eine Nachtreten» der kirchlichen Kunst war. Es entwickeln sichsehr bald eine Anzahl fester Systeme für die Ausbildung des Äußern und des Innernder Profanbanten; ebenso ergeben sich eine Anzahl neuer typischer Bildungen für dieverschiedenen Gebäudearten, welche sich zum Teil bis heute fortgepflanzt haben. In derSkulptur der Renaissance ergibt sich aus dem wieder in Übung gekommenen Naturstudiumdes Nackten und der hieraus fließenden gleichmäßigen Durchbildung aller Teile desKörpers eine Annäherung an die Antike. Die monumentale Malerei der Renaissance