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Erster Band. Entwickelungsgang und Bildungsmittel der Menschheit.
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Baukunst: Die Spätrenaissance.

Die großen Kirchenbauten, wie St. Eustache zu Paris , bleiben noch länger gotisierend,allenfalls macht sich an St. Etienne dn Mont ein entschiedenerer Übergang zur Re-naissance bemerkbar.

Die französische Skulptur dieser Periode wird noch ganz von der italienischen beherrscht;Primaticcio mit seinen überschlanken Gestalten und dem überzierlichen Faltenwurf gab für dieganze Schule den Ton an. Besser sind die Arbeiten Goujons, die Diana mit dem Hirsche fürSchloß d'Anet gearbeitet und die Reliefs für die Fontaine des Jnnocents in Paris . In derMalerei begegnen wir wieder Italienern in der Überzahl, und Jean Cousin war nur einäußerlicher Rachlreter Michelangelos .

In Deutschland tritt die nationale Form der Renaissance, die abgeklärte Mischungder italienischen Spätrenaissance mit den mittelalterlichen Überlieferungen, verhältnismäßigspät ein und trennt sich auch nicht mit Entschiedenheit von der Frühreuaissance. Derschon früher geschilderte Otto-Heinrichsbau des Heidelberger Schlosses könnte auch in diesePeriode gerechnet werden. Im allgemeinen bleibt der steile Giebel mit einer ZuthatPhantastischer Zicrglieder und die mittelalterliche Erkerbilduug in Anwendung. An denFachwerkshäusern zeigen sich Übertragungen aus dem Steinbau und figürlicher Schmuck

in den Fensterbrüstungen, wiebeispielsweise an einigen Häu-sern in Höxter, Hildesheim u. a. O. An den Steinhäusernherrscht die Beschlägeorna-mentik mit den gerollten En-digungen vor, dann kommtdie Rustika mit diamantiertenund sonst gemusterten Quadernvielfach vor. Beispiele zeigendas Hochzeitshans in Hameln ,das Lcistsche und von Demp-stersche Haus daselbst. Dassogenannte Kaiserhaus in Hil-desheim ist überreich orna-mentiert und durch vorgesetzteSäulen, welche jedesmal eineFigur einschließen, gegliedert.Das Residenzschloß zu Aschaf-fenbnrg, ein Quadrat mitkräftig vorspringenden Eck-türmen bildend, an der Fas-sade des südlichen Flügels mit einem mächtigen Treppengiebel, am Hauptportal mitRustikapfeilern, vorgesetzten Säulen und Beschlägeornamentik ausgestattet, gehört in diesePeriode. Der kleine Hof am kurfürstlichen Schlosse zu Dresden wurde durch die ItalienerNosseni ausgeführt und mit gekuppelten rustizierten, dorischen Säulen in Halbkreise ein-gefaßt. Nosseni führte auch die prachtvolle Fürstenkapelle im Freiberger Dom aus. EinTeil des Schlosses zu Schwerin , von dem Holländer Pilot erbaut, zeigt die geschweiftenGiebel dieser Periode. Den glänzendsten Schlvßbau dieser Zeit bildet die Neue Residenzin München , deren westlicher Teil, das Antiquarium, den Grottenhvf und die Kapelleumfassend, durch Hans Riefenstahl errichtet wurde. Der zweite Teil der Residenz, indessen Mittelpunkt der Kaiserhof liegt, wurde unter der Oberleitung des holländischenMalers Peter de Witt von Heinrich Schön erbaut. Die Fassaden der Höfe und desÄußern sind wesentlich nur durch Fassadenmalerei gegliedert, plastisch ausgebildet sindnur die Portale. In Prag werden das Clementinum und das Bartholomänskonvikt vonden Jesuiten in ausgesprochen italienischen Formen erbaut. Unter den Rathausbauten istder zu Augsburg von Elias Holl errichtete der bemerkenswerteste dieser Zeit. Der Mittel-bau im Erdgeschoß und im ersten Stock bildet je eine mächtige Halle, und im zweiten

17S. Teil dir Fassade vom ursprünglichen Ami der Tuilerir»,erbaut von Jean Bullant und Philibert Delorme (begonnen 1564).

Nach Ramee. (Zu S. 257.)