266 Baukunst: Erste Periode des Barockstiles.
italienische Einfluß noch vorherrschend, jedoch kommt unter Louis Xlll. die Verschmelzungder antiken Einzelformen mit den wiederanflebenden gotischen Hauptformen als „nordischesBarock" zur vollen, selbständigen Geltung. Damit zugleich macht sich die niederländischeZiegel-Hanstein-Bautveise geltend. Erst am Ende der Periode kommt eine klassizierendeGegenwirkung auf, in einem beabsichtigten Zurückgehen auf die römische Antike, undbereitet den Stil Louis XIV . vor.
Die beiden Eckpavillons der Tuilerien, von Dncerceau herrührend, mit der großen,
durch zwei Geschosse gehenden Pilasterordnung undden zusammengezogenen Fenstern der beiden unterenGeschosse bezeichnen den Beginn des Barockstiles.Bon Dncerceau und Duperac wurde die eine Hälfteder großen Galerie zur Verbindung der Tuilerienmit dem Louvre in vorherrschender Vertikaltendenzerbaut. Die Taufkapelle für Louis XIII. in Fon-tainebleau zeigt über einem massig behandeltenRustikageschoß einen vierseitigen Dom auf Bogen-durchsichten, bekrönt von flachen Giebeln auf durch-schnittenen Gesimsen. Das Innere der KapelleSt. Saturnin wurde ebenfalls erst unter Louis XIII. in Barockformen vollendet. Eine Anzahl Land-schlösser, wie das von Banmesnil, werden in einemderben, malerischen Barockstile erbaut. Ein Haupt-ban der Zeit ist der Luxembourg-Palast in Paris ,von de Brosse erbaut, mit rustizierten Fassadenausgestattet und im Innern unter dem Einflüssedes Rubens und seiner Schule stehend. An denKirchen St. Gervais et Protais, sowie an St. Etiennedu Mont kommt die Nachahmung der römischenKirchenfassaden zum Vorscheine. An den Erweite-rungsbauten der Cour carrce des Louvre gelangen,ungeachtet des Anschlusses an die alte Fassade, dochneue Formen zur Ausbildung, wie die dreimalwiederholten konzentrischen Giebel des Nhrpavillonsund die Rustikaeinfassung der Dachgräte des Domes.Das- Hotel Vogue zu Dijon gibt den vollen StilLouis XIII. in dem rustizierten Portal und dem dasAbschlußgesims durchschneidenden Rundbogen wieder.In der Ornamentskulptur ist die Kartuschevorherrschend, und zwar in der weicheren, massigen Form.An Stelle des Akanthus tritt in Friesen und Feldernmeist ein kleineres Blattwerk, Lorbeerzweige u. dergl.,in der Regel in Verbindung mit einer Namenschiffre.Die figürlich-dekorative Skulptur der Fassaden findeteinen eigentümlichen Platz in den durch das Fortfallendes mittleren Teiles der Horizontalgesimse vergrößertenGiebeldreiecken, wie beispielsweise am Palais deLuxembvurg. Die Freiskulptur folgt, wie in Deutsch-land und überall, der Schule Giov. da Bolognas.Eine prachtvolle Stuckdekoration bildet das Kartuschen-werk der Kapelle St. Trinite in Fontainebleau . Die ganze Anordnung der Gewölbedekorationder Kapelle mit Einschluß der Bilder verrät den Einfluß der Sixtina. Martin Freminet undSimon Vouet sind die bedeutendsten Maler der Periode. Jaques Callat, der vortrefflicheRadierer, bahnt die französische Genremalerei an; die Malereien im Luxembvurg gehören in dieRubcnssche Schule.
In Deutschland kommt in dieser Periode ein gotisierender Barockstil auf, obwohlunter den entstehenden Bauwerken keine Stileinheit herrscht. Der Friedrichsbau desHeidelberger Schlosses nimmt offenbar in der Hauptanlage auf den früheren Otto-Heinrichs-
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