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Erster Band. Entwickelungsgang und Bildungsmittel der Menschheit.
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268 Baukunst: Erste Periode des Barockstiles.

steile prachtvoll durchgebildete Treppengiebel. Das Kramer-Amtshaus in Bremen besitzteinen noch üppiger ausgestatteten Giebel. Das Altstädtische Rathaus in Danzig ist inder niederländischen Ziegel-Hausteinweise erbaut. Ebenfalls als Ziegel-Hausteinbau istdas Zeughaus in Danzig errichtet, mit derben Barockportalen. Anthony van Odbergenerbaute auch das Hohe Thor in Danzig als reinen Steinbau in Nachahmung einesdreithorigen römischen Triumphbogens. Die Profanbauten des Bischofs Julius Echter in Würzburg , der bischöfliche Palast und die Universität, sind stark im italienischen Sinnestilisiert.

Den gotisierenden Barockstil zeigen indes die kirchlichen Bauten desselben Bischofs.Die Universitätskirche, im Grundplan den römischen Kirchen ähnlich, mit zwei RängenEmporen versehen, ist wieder mit Kreuzgewölbe überdeckt, und die Fenster enthalten spät-gotisches Maßwerk; die Westfassade zeigt sogar ein Rosenfenster mit Maßwerk. Die nachaußen vortretenden Strebepfeiler sind als dorische Pilaster mit Rahmprofilen ausgebildet,stammen jedoch aus etwas späterer Zeit als die Kirche. Die protestantische Kirche inWolfenbüttel , von Francke erbaut, zeigt ebenfalls einen geschickten Versuch, Gotik undBarock zu verschmelzen, die Fenster sind im Spitzbogen geschlossen und zeigen Maßwerk,welches mit Rustikaquadern durchsetzt ist; besonders schön sind die Portale. Das Plan-schema der Kirche entspricht noch wenig dem protestantischen Bedürfnisse, namentlich trittdies in der Anlage des Chores zu Tage.

In der Ausbildung ausdrucksvoller Wand- und Giebelgliederungen hat die deutsche Architekturniemals mehr geleistet als in dieser Periode, und zwar durch die Anwendung kräftiger Gesimse,Gebälke mit Triglyphen, durchgekropster Pilaster und der mit gebrochenen Voluten besetztenGiebel. Dagegen ist die Skulptur von keiner selbständigen Bedeutung, sie wird dekorativim Dienste der Architektur und findet meist an Altären, Brunnen, Grabmälern und Epitaphienihren untergeordneten Platz. Der größte Teil dieser Bildhauerarbeiten beweist nur handwerk-liche Fertigkeit. Zu deu besseren Arbeiten gehören die Nischenstandbilder am Friedrichsbau desHeidelberger Schlosses, von Sebastian Götz aus Chur , fürstliche Personen im Zeitkostüm dar-stellend. Ein wahres Prunkstück der Holzschnitzerei bildet die Güldenkammer im großen Saaledes Rathauses zu Bremen . Andre hervorragende Holzarbeiten sind zur Ausschmückung deSRechtsstädtischcn Rathauses zu Danzig ausgeführt. Für die Richtung der deutschen Ornamentikdieser Periode sind die Erfindungen Wendel Dietterlins von Straßburg vor allem bezeichnend.

In den Niederlanden hat der gotisierende Barockstil nur kurze Zeit geherrscht.In Holland setzte sich die übliche Ziegel-Haustein-Bauweise fort und wurde nur miteiner breiteren und schwerfälligeren Ornamentiernng versehen. Es sind in Hoorn, Delft ,Zütphen eine Anzahl Bürgerhäuser dieser Art erhalten, und in Bolsward das Rathaus.Ein Haus zu Middelburg , „Raison än solsil", besitzt einen barock detaillierten Treppen-giebel. In Belgien herrscht bereits der klassizierende Barockstil.

In England und Schottland wird die Palladianische Richtung auf kurze Zeit vonfremden Einflüssen durchbrochen. Heriots Hospital in Edinburg gibt ein Beispielder barocken Beschlägeornamentik des Festlandes. In England tritt der gotisierendeBarockstil am stärksten am Cläre College in Cambridge auf, zugleich mit dercharakteristisch englischen Brechung der Fassaden in Vor- und Rücksprüngen. Das Portalzeigt ein schweres Barock mit bossierten Säulen, darüber folgt ein durch zwei Geschossegehender Runderker. Die Gartenfront von St. Johns College zu Oxford ist wieder fastganz gotisch.

In Spanien fehlt das gotisierende Barock ganz, ebenso wie in Italien .

In Dänemark ist die Börse von Kopenhagen in der gemischten Ziegel-Haustein-Banweise mit steilen Dächern und Giebeln, sehr ähnlich den holländischen Bauten dieserZeit, errichtet. Der Turmhelm der Börse bildet sich aus spiralförmig zusammengedrehtenDrachenschwänzen und erinnert damit an die phantastischen Ornamenterfindungen Dietterlins.Das Schloß Frederiksborg bei Kopenhagen ist in der Hauptanlage gotisch, zeigt aber dieDetaillierung des nordischen Barocks. Das Schloß Helsingfors zeigt eine gewisse Überein-stimmung mit Heriots Hospital in Edinburg .