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XIV. Zweite Garockperiode.
Für Italien bedeutet die zweite Barockperiode in der Architektur die verstärktemalerische Bewegung der Gliederungen und selbst der Baumassen, zugleich die daherfließende Anwendung der gebrochenen, geschwungenen und durchschnittenen Giebel undHorizontalgesimse, endlich die Bildung ganz geschwungener Fassaden und elliptischer odersonst unregelmäßiger Raumformen. Vornehmlich sind es zwei in Rom wirkende Männer,Bernini und Borromini , welche der künstlerischen Bewegung die Richtung vorschreiben.Bernini hält sich mäßiger im angestammten klassischen Sinne des Südens; der LombardeBorromini vertritt dagegen den nordischen, auf phantastisch malerische Lösungen hindrängendenEinfluß. Bernini hat den vorderen Teil des Palazzo Barberini in Rom geschaffen, dessenzwei untere Geschosse noch streng durch Arkadenstellungen zwischen Halbsäulen gegliedertsind, wohingegen im dritten Geschosse eine Verdoppelung der Pilaster, die Verkröpfungdes Gebälkes und eine perspektivische Scheinvertiefung der Arkaden eintritt. Die groß-artigste Schöpfung Berninis sind die Doppelkolonnaden des Platzes vor St. Peter, inelliptischer Grundform, welche durch pilastergeschmückte Galerien mit der Vorhalle desDomes in Verbindung treten. An diesen Kolonnaden, die absichtlich auf perspektivischeScheinerweiterung angelegt sind, sowie an der in demselben Sinne gebildeten Rampen-treppe von St. Peter zeigt Bernini den echten Geist des fortgeschrittenen Barocks. DieTreppe, welche aus der Vorhalle in die Sala regia des Vatikans führt, zeigt wieder denperspektivischen Scheineffekt in der Verringerung der Maße nach oben hin. Die Kuppel-kirche in Arricia mit der nach hinten niedriger werdenden halbrunden Umfassungsmauerist wieder ein Werk Berninis. Von dem klassischen Geiste, in dem auch Borromini schaffenkonnte, gibt die musterhafte, ovale Treppe im Palazzo Barberini Kunde; sie ist großartig imSinne der Barockzeit, zugleich aber korrekt und einfach wie die Werke der Hochrenaissance.Seine Eigenheit zeigt Borromini erst in der Kirche S. Jvo alla Sapienza in Rom , welchedurch ihren ganz aus geschwungenen Linien gebildeten Grundplan und durch die dem-entsprechend irrationell gewordenen Gewölbeformen auffällt; die Türme der Sapienza haben einen spiralförmigen Oberbau erhalten. An der Kirche S. Agnese alla Sapienzaerbaute Borromini die Kuppel, die auf ovalem Grundplane errichteten Türme und diemit gebogenen Flächen an die Türme anstoßende, sonst geistreich entworfene Fassade.Dem Turme an der Chiesa nuova hat Borromini zwei konvexe und zwei konkave Seitengegeben. S. Carlo alle qnatre Fontäne zeigt an der Fassadenfläche eine doppelte Kurve.Pietro da Cortona erbaut in der Nachfolge Borrominis die Kirche S. Maria delle Pacein Rom mit halbrunder Vorhalle und einer auf Täuschung berechneten Halbkreismauerhinter der Kirche, dann S. Luca mit geschwungener Fassade. Die Villa Sacchetti amMoute mario, von demselben Meister, zeigt eine große Rundnische als Haupteingangund gebogene Seitenflügel. In Florenz fand der Barockstil keine weitere Fortbildung.In Venedig erbaut Longhena die große Kirche S. Maria delle Salute auf achteckigemGrundriß mit Umgang und Kapellen. Palazzo Pesaro in Venedig hat das Arkadensystemder Biblioteca in einen derben Barockstil übersetzt. Der Hanptmeister des Barocks inTurin ist Guarini . Sein Palazzo Carignano daselbst zeigt im Mittelbau eine mehrfachgeschwungene Linie und einen gleichfalls geschwungenen Balkon mit Loggia. Guarini hat auch außerhalb Italiens gebaut und hat überhaupt die größte Nachfolge gefunden.Juvara, der Erbauer der Superga bei Turin , ist wieder mäßiger in den Formen, imSinne der Berninischen Schule. Sein Jagdschloß Stupinigi bei Turin , ein Gruppenbau,'st vielfach nachgeahmt.
Das Innere der Gebäude enthält jetzt durch die häufiger auftretenden, kühnenund malerischen Raumkombinationen einen besonderen Reiz, der noch durch vortretende,schattengebende Säulen und durch die überlegte Anwendung des hohen Seitenlichtes erhöhttvird. Auch versteckte Fenster werden zu besonderen Lichteffekten benutzt. Der jüngereBibiena legte in S. Antonio zu Parma zwei Gewölbe übereinander an und gab demoberen Gewölbe ein starkes, verstecktes Seitenlicht, während das untere Gewölbe Öffnungen