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Erster Band. Entwickelungsgang und Bildungsmittel der Menschheit.
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Baukunst: Zweite Barockperiode.

erhielt, durch welche man die Glorienmalereien erblickte. Von der jetzt beliebten prunk-vollen Ausstattung der Kirchen gibt S. Jgnazio in Rom ein hervorragendes Beispiel.Das Innere der Paläste hält sich näher an die alten Muster; nur werden die Hofanlagenmit Vorliebe perspektivisch erweitert, wie beispielsweise am Palaste der Consulta in Rom .Die doppelte Decke mit der Öffnung in der unteren und der scharfen Beleuchtung deroberen wird auch auf die Paläste übertragen. Der Hauptranm des Palastes, die Galerie,erhält jetzt häufig ein verschaltes Holzgewölbe mit Bemalung.

Der neue, von Bernini hervorgerufene Skulpturstil ist malerisch, naturalistisch undzugleich auf dramatische Wirkung berechnet. Das Porträt im Zeitkostüm bringt Bernini zugroßartiger Erscheinung: seine Kirchenplastik ist der Antike gegenüber selbständig, leidet jedochdurch übertriebenen Ausdruck des innerlichen Gefühls. Die Brunnenwerke Bermnis, das aufPiazza Navona, das auf Piazza Barberini und das auf Piazza Spagna, sind wahrhaft groß-artige Dekorationsstücke. Eine besondere Erfindung Berninis sind die Altargruppen auf Wolken,die wieder eine zahlreiche Nachfolge in allen Ländern finden. Die große dekorative Malereidieser Periode wird durch Pietro da Cortona, Giordano, Andrea Pozzo und Tiepolo vertreten.Pietro da Cortona hat das Gewölbe des großen Saales des Palazzo Barberini in Rom miteinem Triumphzuge bemalt und als sein Bestes die Deckenmalereien im Palazzo Pitti in Florenz geliefert, welche für die Malerei der französischen Klassik die Vorbilder abgaben. Andrea Pozzo von Trient erfand für seine großen Glorienmalereien eine neue Raumeinfassung in einer perspek-tivischen Architekturmalerei, in der Regel prächtige Säulenhallen darstellend, über denen sich derblaue Himmel öffnet. Die beste Leistung Pozzos in der kirchlichen Malerei zeigt das Gewölbedes Mittelschiffes und des Chores in S. Jgnazio zu Rom . Pozzo ist aber nicht bloß Maler,sondern der Dekorator im großen, in Marmor, Bronze und Stuck. Der Venezianer Tiepolo treibt die Anwendung der Üntenansicht in der Dekorationsmalerei am weitesten; er hat zahllosekirchliche und profane Deckenmalereien in Italien, Deutschland und Spanien geschaffen.

Frankreich erobert für sich in dieser Periode die Führerrolle in der Kunst für ganzEuropa. Der klassische Barockstil Frankreichs oder Stil Louis XIV. beruht auf einerneuen Wendung zur römischen Antike und einer gänzlichen Abstreifnng des noch Spurendes Mittelalters bewahrenden niederländischen Einflusses. Lemercier errichtet die Kircheder Sorbonne in der Weise der zweigeschossigen italienischen Barockkirchen, mit derfranzösischen Eigentümlichkeit, daß die Seitenfassaden gleichmäßig mit der Hauptfassadedurchgebildet werden, und daß sich die Kuppel turmartig aufbaut. Die Knppelkirche desCollege Mazarin zu Paris , von Leveau und Dorbay, zeigt wieder die Abhängigkeit vonder borrominesken Stilrichtung. Der Hauptbegründer der neuen klassischen französischen Stilrichtung ist Francois Mansart; er verbindet die Antike mit dem französischen Pavillon-system und den hohen Dächern, allerdings mit konsequenter Vermeidung des steilen Giebels.Ein Hauptbau Mansarts ist das Schloß Maison-sur-Seine bei St. Germain en Laye,im Pavillonsystem mit steilen Dächern und Dachaufbauten, aber an den Fronten mitzwei Ordnungen gekuppelter Pilaster übereinander, auf einem gegliederten Unterbau. Anseinen Hötelbauten verwendet Mansart die Ordnungen nur an einigen Hauptteilen, sonsterhalten die Mauerflächen Quaderecken und einfache Fenstereinfassungen. Der eigent-liche Stil Louis XIV. wird durch Lebrun, die beiden Lepautres, Perrault und JulesHardouin-Mansart ins Leben gerufen. Antoine Lepautres' Bauten, das Schloß St. Ouen bei St. Denis, das Hotel de Beanvais zu Paris u. a., sind wieder etwas stärker barockgehalten. Perrault ist der Schöpfer der großen Louvrefassade, des berühmtesten Bau-werkes der ganzen Periode. Es ist eine freie Benutzung der antiken Tempelfront, einegroßartige Halle mit gekuppelten Säulen über einem von Stichbogenfenstern durchbrochenenals Sockel wirkenden Untergeschosse, in der Mitte durch ein Risalit mit flachem Giebeldurchsetzt und an den Ecken durch Pavillons in gleicher Höhe mit den Fronten abgeschlossen.Hardouin-Mansart setzte den von Leveau begonnenen Bau des Schlosses von Versailles fort, nicht in sehr monumentaler Weise, denn an der Gartenfront ist die Bewegung derMassen fast ganz aufgehoben, und die Einführung großer Arkaden im Hauptgeschoß wirktermüdend. Die Galerie des glaces an der Gartenfront, welche durch ein Tonnengewölbeüberdeckt ist, macht mit ihrer geringen Breite den Eindruck einer Passage. Das Haupt-werk Hardonin-Mansarts ist der Jnvalidendom in'Paris , der mit dem Chor der KircheSt. Louis in unmittelbare Verbindung gesetzt ist. Der Dom bildet im Innern eine