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Erster Band. Entwickelungsgang und Bildungsmittel der Menschheit.
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Baukunst: Wiederaufnahme der italienischen Renaissance.

Über die Entwickelung der deutschen Skulpturschulen in dieser Periode kann nur inkurzem Abriß berichtet werden. Die Berliner Schule, welche durch Schadow einen sicherenAnhalt gewonnen hatte, fand durch Rauch eine kräftige, zielbewußte Fortsetzung. Rauchblieb stets Klassizist; die Rücksicht auf die Antike behielt bei ihm stets den Vorrang. Ammeisten berühmt wurde er durch sein Denkmal für die Königin Luise in Charlottenburg und dasDenkmal Friedrichs des Großen in Berlin . Treck ist ebenfalls Klassizist, weiß aber das moderneLeben nicht wiederzugeben. Ludwig und Karl Wichmarrn waren Schüler Schadows und arbeitetenhauptsächlich im Gebiete der Porträtplastik. Bläser, ein Rauchscher Schüler, hat die ReiterstatueFriedrich Wilhelms IV. für die Kölner Rheinbrücke geliefert und eine solche Friedrich Wilhelms III.für die Stadt Köln . Adolf Wolf, Kiß, Möller gehören zu den Rauchschüler». ebenso wieDrake, der aber seinen Lehrer an Empfindung übertrifft. Von ihm ist daS Denkmal FriedrichWilhelms III. im Tiergarten mit dem poetischen Sockelrelief und die vortreffliche kolossale Reiter-statue Kaiser Wilhelms I. für die Rheinbrücke in Köln . Fischer war wieder ein SchülerSchadows und lieferte zwei Gruppen für den Belleallianceplatz. Afinger hat vortreffliche Leistungenin der religiösen Plastik und eine Anzahl charaktervolle Porträts auszuweisen. Kalide schließtdie Reihe der unmittelbaren Rauchschüler ab und ist zugleich ein Vorläufer der neuerenrealistischen Schule. Wilhelm Wolfs ist als Tierbildner von Bedeutung, Schievelbein hat denRelieffries „Untergang Pompejis" als sein bestes geliefert. Zur zweiten Generation der Rauch-schüler gehören Franz, Walger und Keil. Die Dresdener neuere Bildhauerschule steht durchihren Begründer Rietschel in engem Bezüge zn Rauch, bethätigt sich aber stärker als dieBerliner Schule in der Jdealplastik. Rietschel findet erst in den Giebelgruppen für das neueHoftheater in Dresden den der modernen Gefühlsweise entsprechenden Ausdruck. Für dievaterländischen Dichterheroen hat Rietschel die dem deutschen Empfinden am meisten zusagendenGestalten geschaffen. Hähnel in Dresden zeigt seine besondere Begabung in einer Anzahl vorzüg-licher im modernen Sinne ausgeführten, allegorisch-symbolischen Bildungen, wie die am Sockeldes Beethoven-Denkmals für Bonn und am Sockel des Denkmals Kaiser Karls IV. in Prag .Er vertritt den deutschen Idealismus gepaart mit philosophischem Tiefsinn und innerlichemGefühl. Zu den deutschen Thorwaldsenschülern gehören Rudolf Schadow, Peter Schöpf , Launitz,Emil Wolsf, Steinhäuser und Emil Cauer . Die Söhne Cauers, Karl und Robert, sind in derWeise des Vaters thätig; letzterer belebte mit Glück die deutschen Märchengestalten. Kopf istder Darsteller der Formenschönheit an jugendlichen Körpern; ähnlich verhält sich Müller. DieEigenheit der Münchener Schule, den Zug zur Romantik und zugleich zum Naturalismus,vertritt Ludwig Schwanthaler . Er betrieb mit Vorliebe die Darstellung der Gestalten ausdem Kreise des deutschen Helden- und Rittertumes. Es fehlte Schwanthaler nicht an erfinde-rischer Phantasie, aber er war zu sehr mit Arbeiten überlastet, um zu einer feineren Durch-bildung der Formen gelangen zu können. Seine dekorativen Arbeiten für den Königsbau undden Festsaalbau in München konnten allein ein Menschenleben in Anspruch nehmen. Widemannin München stand wieder unter dem Einflüsse Thorwaldsens. Brügger widmete sich hauptsäch-lich der mythologischen Jdealplastik. Mit Hcilbig findet die naturalistische Seite der Schwan-thalerschen Schule eine kräftige Fortsetzung. Knabel lieferte große Altarwerke für eine AnzahlKirchen. Engelhard in Hannover strebte danach, sich der romantischen Stoffe zu bemächtigen,blieb aber in seiner Formgebung antikisierend. Von einer Wiener Bildhauerschule kann indieser Zeit nicht die Rede sein; auch in Stuttgart bildet sich keine eigne Schule, obgleich Wagnerund Hafer eine Anzahl vortrefflicher Werke für Stuttgart lieferten.

Als Hauptbegründer der neueren deutschen Malerei muß Peter Cornelius gelten,der sich zuerst wieder den altdeutschen Meistern zuwendete. Cornelius schloß sich in Rom demKreise der Nazarener im Kloster S. Jsidoro an, wurde aber bald darauf gleichzeitig nach Düssel-dorf und München berufen, siedelte indes nach kürzerem Aufenthalt in Düsseldorf ganz nachMünchen über. Die Fresken der Glyptothek daselbst bilden das formvollendetste Werk desMeisters. Es ist die griechische Mythologie und Heroensage benutzt, aber diese geben nur dieHülle für den Ausdruck tiefer, allgemeingültiger Gedanken. „ Die Ausmalung der Ludwigskirchein München führte zu Zerwürfnissen und hatte Cornelius' Übersiedelung nach Berlin zur Folge.Hier schuf derselbe die großartigen Kartons für die Ausmalung des geplanten Camposantobaues,welche eine Geschichte der christlichen Heilsoffenbarung geben. Die „Apokalyptischen Reiter"gehören zu dem Großartigsten dieser Kompositionen. Die Berliner Malerschule wurde allerdingsdurch den Einfluß der belgischen Bilder in ganz andre Bahnen gezogen. Overbeck war derBegründer der Malergesellschaft in Rom, welche später mit dem Namen der Nazarener belegtwurde. Overbeck malte seine „Jndulgenz des heiligen Franziskns" in der Vorhalle der KircheS. Maria degli angeli bei Assisi so einfach und innig, wie es Fiesole hätte thun können. Overbeckhat später eine große Anzahl bedeutender Kirchenwerke geliefert. Zn seinem römischen Kreisegehörte Veit, der an den Fresken der Casa Bartholdy in Rom beteiligt war und später inFrankfurt a. M. lebte. Steinte ist der bedeutendste Meister des Overbeckschen Kreises; späterin Frankfurt a. M. lebend, schuf er zahlreiche Freskowerke für Kirchen und weltliche Gebäude.Führich war Overbecks Genosse an den Tassobildern in der Villa Massimi in Rom und strebtenach der Bildung eines kirchlich-nationalen Stiles, wie es seine in Prag geschaffenen Zeichnungenund Bilder zeigen. Waren die vorgenannten Maler mehr oder weniger entschiedene Romantiker,so setzte sich gleichzeitig in einer kleineren Gruppe die klassische Richtung fort. Genelli handhabte