Holz und Stein als Baumaterial der Wände. Zg?
Für den Steinbau bietet uns die Natur vielerlei sehr verschiedene Materialien, unddie Verarbeitung derselben reicht ebenfalls bis in das früheste Altertum zurück. Anfänglichvermauerte man die Steine unbehauen, wie sie sich als Feldsteine oder abgesprungeneStücke von Felsen vorfinden. Solche Steine ergeben keinen regelrechten Verband, undman pflegt das daraus hergestellte Mauerwerk Kyklopenmauerwerk zu nennen. Urtypendesselben haben sich infolge ihrer gewaltigen Dimensionen sowohl in Griechenland wie inKleinasien vielfach erhalten. In Deutschland dienen für solche Mauern hauptsächlich auchFindlinge, d. h. erratische Blöcke, welche man in der Tiefebene zahlreich findet. Dieselbenkommen wie sie gerade beschaffen sind oder höchstens einmal durchgespülten zur Ver-wendung. Naturgemäß läßt sich mit solchen Steinen nur ein sehr unvollkommener Ver-band erzielen, und wo die Mittel dies irgend erlauben, werden daher, wie unsre Abb. 265zeigt, in gewissen Abständen horizontale Abgleichungen hergestellt und Ziegelschichten ein-gefügt, wonach man auch den Ecken durch Ziegclpfeiler einen sicheren Halt zu geben strebt.
Ein weit tragfähigeres Mauerwerk aber ergeben aus Brüchen gewonnene lager-hafte Werksteine, wie solche je nach der Gegend aus Kalkstein, Sandstein, Marmoroder Granit verfügbar sind, zu gehöriger Quaderform paßlich bearbeitet und mit nur
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sehr kleinen Fugen eng aneinander versetzt werden. In der Regel bedient man sich derWerksteine nur zur Verblendung der Ansichtsflächeu eines Gebäudes, und hierbei ist esvon großer Wichtigkeit, sie in einen guten Verband mit der Ziegelhintermauernng zubringen. Wie unsre Abb. 267 u. 268 zeigen, läßt man zu diesem Zweck in jeder SchichtLäufer und Binder wechseln und außerdem noch die Steine keil- oder schwalbenschwanz-förmig ineinandergreifen. Dazu aber müssen in jeder Schicht auch noch vielfache Ankerund Klammern eingefügt und auf das Sorgfältigste vermauert werden. Als äußere An-sicht eines Werksteiuverbandes geben wir in Abb. 266 einen Eckpavillon des deutschen Reichshauses von dem Architekten Paul Wallot , worin der Fugenschnitt dieses reichgegliederten Bauwerkes deutlich zu erkennen ist. Handelt es sich um die freiliegende Über-deckung großer horizontal abschließender Öffnungen, so wird besondere Rücksichtnahmedurch den Umstand erheischt, daß die Steine, wennschon sie eine bedeutende Zerdrückungs-festigkeit besitzen, der fenkrechten Belastung nur geringen Widerstand leisten können. Diehierfür verwendeten Steine dürfen daher in keiner Weise belastet werden, und es muß zurGewährleistung dieser Bedingung oberhalb derselben eine offene Fuge von mehrerenZentimetern verbleiben. Bei kleineren Spannweiten erreicht man dies durch einen Ent-lastungsbogen oder durch Einfügen eines eisernen Trägers, bei größeren Spannweitenbedingt der gleiche Umstand aber oft schwierige Hilfskonstruktionen. Unsre Abb. 269 zeigtdas in Rücksicht hierauf interessante Hauptgesimse der technischen Hochschule in Charlotten-