Band 
Erster Band. Entwickelungsgang und Bildungsmittel der Menschheit.
Seite
433
JPEG-Download
 

433

Der Farbmschmuck und seine Mitten

Dauerhaftigkeit und Wirkung sehr verschiedene Erfahrungen gemacht, und es lassen sichzarte Übergänge von Licht und Schatten thatsächlich nur schwer oder unvollkommen hervor-bringen. Deshalb ist seit langem nach einer leichter auszuführenden und längere Dauerverbürgenden Malweise gesucht, und als solche bot sich endlich die sogenannte Stereo-chromie, die von Professor Schlotthauer in München erfunden und in größerem Maß-stabe zuerst von Kanlbach bei den 1847 begonnenen Treppenhausgemälden im NeuenMuseum in Berlin erprobt ist. Für dieselbe wird der entsprechend vorbereitete Malgrundzunächst mit Sandstein scharf abgerieben und dann mit Wasserglaslösung getränkt, wonachman die mit reinem Wasser angerührten Farben auftragen kann und nach Vollendungmit einer Wasserglaslösung fixiert.

Geringeren Ansprüchen genügen die Tempera- und die Kaseinmalerei. Fürerstere wird eine Verbindung von Eidotter und Essig hergestellt. Die Farben haften aufPapier wie auf Leinwand, haben eine schöne Leuchtkraft, sind aber nicht wetterbeständig;für letztere werden 5 Teile weißen Käses mit 1 Teil gutgelöschten Kalkes gemischt und

442. Mosaikfüllung aus der Kirche in Mettlach , ausgeführt von Billeroy L Noch daselbst.

dann die gewünschten Farben beigemengt. Der Anstrich haftet nicht nur auf Mauerflächen,sondern auch auf Holzwerk und geht vermöge des im Käse enthaltenen Eiweißstoffes mitdem Kalk eine chemische Verbindung ein, die ihn später gegen Wasser unempfindlich macht.Eine andre sehr alte Malart ist die Enkaustik, die ursprünglich im Einbrennen vonWachsfarbe bestand, für die der Maler Fernbach in München neuerdings aber mit gutemErfolg ein andres Verfahren ausübt, wobei die Farben in Terpentinöl, Wachs, Bernstein-lack und Kautschuk zurechtgemacht werden. Als eine in manchen Gegenden auch im Äußernhaltbare Weise hat sich das Malen mit Keimschen Mineralfarben bewährt, hierbeiwird aus Marmorstaub ein Pntznntergrund hergestellt, worauf sich die in Wasser auf-gelösten Farben auftragen und mit Wasserglas dauernd fixieren lassen.

Für kleine Schmuckflächen, wie etwa Wand- und Deckenfelder von Räumen inPrivathäusern, Pflegt man aber nur selten zu einem dieser stets mit vielen Vorbereitungenund Umständen verknüpften Verfahren zu greifen, und lieber werden die Bilder inder allbekannten Art auf Leinwand in Ölfarben gemalt und später an Ort undStelle eingefügt. Dies bietet die weitere große Vereinfachung, daß der Maler das Bildin seinem Atelier vollenden kann und nicht im Bau zu arbeiten braucht, wo die Räumedurch Gerüste verdunkelt und beengt sind.

Handelt es sich anderseits aber um den Schmuck wahrhaft monumentaler Denkmal-werke, bei denen mau die Erhaltung der Farben auf Jahrhunderte hinaus zuverlässig

Das Buch der E>sind. I. 55