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Gemeinnützige bauliche Einrichtungen der modernen Städte.
doch werden in Italien neuerdings größere Anstrengungen bemerkbar. Als wichtigstenach neuerer Art planmäßig kanalisierte Städte nennen wir Hamburg seit dem großenBrande im Mai 1842, London seit 1853, Paris seit 1856, Frankfurt a. M. seit 1854,München seit 1857, Brüssel seit Anfang der sechziger Jahre, Dresden seit 1860, Berlin seit 1873, in neuester Zeit Köln, Magdeburg, Hannover, Bremen, Breslan, Dortmund ,Düsseldorf, Elberfeld, Halle. a. S., Königsberg, Nürnberg, Wiesbaden .
Bon jeder Kanalisation muß die Beseitigung des trockenen Kehrichts, etwa durchAbschwemmen, grundsätzlich ausgeschlossen werden. Dieser muß vielmehr durch Abfuhrbeseitigt werden. Diejenigen feuchten oder flüssigen Stoffe, welche geeignet sind, durchKanalisation fortgeschafft zu werden, sind die menschlichen Auswurfstoffe, das Spülwasserdes Haushaltes, das Regenwasser von Straßen und Höfen, ferner das aus Badeanstalten,gewerblichen Anlagen und Fabriken fortlaufende Wasser. Bei geringer Dichtigkeit derBevölkerung, von etwa 40 Bewohnern auf einen Hektar, wie sie in dörflichen Anlagenstattfindet, lassen sich die Abfallstoffe noch landwirtschaftlich verwerten. Auch tritt eineVerunreinigung der Brunnen bei genügender Tiefe derselben noch nicht ein. Bei einerBevölkerungsdichte bis zu 100 Bewohner für den Hektar, wie sie kleineren Städten mitetwas Ackerbau und einiger Industrie, z. B. Alt-Damm, Grabow a. O. entspricht, bedarfes schon strenger Handhabung zweckmäßiger Polizeivorschriften über Beschaffenheit undReinhaltung von Aborten und Straßenrinnen. Bei einer größeren Dichtigkeit der Be-völkerung aber entstehen durch jene Einrichtungen Belästigungen und Mißstände.Namentlich verringert sich auch die Zahl der Brunnen, welche gutes Wasser liefern, zumSchaden der Gesundheit der Bürgerschaft erheblich. Wird dann eine öffentliche Wasser-leitung angelegt, so wächst die Menge Verbrauchswasser durch Einführung von Wasser-klosetts, durch vermehrte Pflege der Reinlichkeit, durch lebhaftere Verwendung in gewerb-lichen Betrieben derart an, daß eine künstliche Ableitung zur Notwendigkeit wird.
Das Regenwasser kann bei günstiger Höhenlage des Orts und Nähe eines Flnß-laufes unbedenklich in offenen oder bedeckten flachen Rinnen abgeführt werden. Immerhinführen aber die Mißstände der oberirdischen Ableitung bei Frostwetter und die Kost-spieligkeit der Rinnenunterhaltung in den meisten Orten dahin, auch das Regenwasserden Kanälen zuzuführen, wo es zur wirksamsten Spülung derselben dient. Hierbei istvorausgesetzt, daß es möglich sei, sich der zeitweilig zufließenden übergroßen Regenmengenauf kurzem Wege durch Notauslässe in einen Flußlauf oder vorübergehende Aufnahme ingroße Bassins zu entledigen.
Die gewöhnlichen Mengen des abzuleitenden Regenwassers müssen durch Beobachtungenermittelt und die Querschnitte der Kanäle danach bemessen werden. Man hat allerdingshierfür in den verschiedenen Städten sehr erheblich abweichende Annahmen zu Grundegelegt. Ein mittleres Maß der abzuführenden Regenmenge dürfte das für Berlin ange-nommene Maß von 11 bis 21 1 für die Sekunde und den Hektar Bodenfläche sein. DieMasse des gewöhnlichen Brauchwasser einschließlich der menschlichen Auswurfstoffe stehtder im Jahre fallenden Regenmasse im ganzen bei etwa 125 bis 150 Bewohnern aufden Hektar Bodenfläche ungefähr gleich. Für den einzelnen Regenfall aber beträgt sienur 11/, bis 2 o/o der Regenmenge, woran wiederum die Exkremente nur einen ver-schwindenden Anteil haben, und es folgt hieraus, daß es auf die Baukosten keinen Einflußhat, ob man in Kanäle, die für Ableitung des Regenwassers genügend weit angelegt sind,auch noch das Brauchwasser aufnimmt. Der Anteil des Fabrikwassers oder des Quellen-wassers in Badeorten muß je nach den besonderen Verhältnissen des Ortes geschätztwerden. Stark durch fettige und giftige Bestandteile verunreinigte Abwässer wird manzweckmäßig von den öffentlichen Kanälen ausschließen und besonders beseitigen.
Man hat auch versucht, die Ableitung des Regenwassers und des Brauchwassers jebesonders zu bewirken aus Gründen der Kostenersparnis, da das Brauchwasser für sichallein nur geringe Kanalquerschnitte erfordert. Es empfiehlt sich dies in Orten, welchebei geringem Straßenverkehr von vielen Wasserläufen durchzogen sind, wie es bei hol-ländischen Städten zutrifft. Hier kann die Ableitung des Regenwassers mit den aller-einfachsten Mitteln geschehen, ohne daß eine lästige Verunreinigung der Gewässer statt-