Städtische Krankenhäuser. Friedhöfe. 5g ö '
sind. Die Berliner Anstalt besteht aus einem Hauptgebäude, welches durch eine Mittel-mauer in eine unreine und eine reine Abteilung getrennt ist. Jede Seite hat besondere Ein-und Ausgänge. Die Höfe beider Abteilungen sind mindestens durch eine Planke getrennt.Die als anstecknngsverdächtig aus der Stadt abgeholten Gegenstände kommen in geschlossenenWagen in Decken gehüllt auf der unreinen Seite an, werden in dem Vorraum aus-geladen und in einem beweglichen Gehäuse in den eisernen trommelartigen Desinfektions-apparat geschoben. Nachdem der Apparat vollständig geschlossen ist, wird er mit Dampfvon ll2" 0. gefüllt, wodurch die Anstecknngskcime bei'hinreichend langer Behandlunggetötet werden. Nach Ablaß des Dampfes werden die nunmehr desinfizierten Gegen-stände auf der reinen Seite des Apparates herausgeholt, getrocknet und wieder abgefahren.Die Arbeiter müssen sich, ehe sie sich auf die reine Seite des Gebäudes begeben, badenoder abbrausen, während ihre eignen Kleider, die überdies während der Arbeit durchMäntel geschützt werden, durch den Apparat gehen. Das Gebäude enthält außer denArbeits- und Laderäumen noch ein Expeditionszimmer im vorderen Teil und einKesselhaus am Hinteren Giebel. Remisen für reine und unreine Wagen stehen getrennt auf denHöfen. Aufenthaltsräume für die Mannschaften, Magazine für Geräte, auch zur Desinfektionder verdächtigen Wohnungen in der Stadt, sind gleichfalls auf den Hosen vorhanden.
F r i e d h ö f e.
Die einfachsten Grundsätze der Gesundheitspflege zwingen dazu, die Reste der Ver-storbenen bald nach dem Tode aus der Nähe der Überlebenden zu beseitigen. Anderseitsverlangen die noch über den Tod hinaus andauernde Liebe der Angehörigen, sowie religiöseGründe, welche allen Völkern gemeinsam sind, die Reste mindestens sicher vor unwürdigerVerschleppung, möglichst aber auch dem Stande und den Verdiensten des Toten ent-sprechend zu bestatten. Die Formen, in denen dies geschieht, sind zu andern Zeiten undan andern Orten sehr verschiedenartige. Das einfachste ist das Begraben in der Erde,wo die Leiche der natürlichen Zersetzung überlassen bleibt, die dann sehr bald erfolgt.Eine andre, umständlichere Form ist die des Verbrennens, wo dann nur die Aschenrestein mäßig großen Gefäße» zu bewahren sind. Das dritte, kostspieligste Verfahren suchtden Leichnam balsamiert oder in der Kühle und Trockenheit besonders geeigneter Keller-räume vor der Zersetzung zu schützen.
Das Begraben ist wohl zu allen Zeiten die Bestattungsart der weniger Bemitteltengewesen. Es kann in gemeinsamen Gräbern erfolgen, die reihenweise neben- oder über-einander angeordnet werden. So sind auf dem Zentralfriedhof in Wien für Unbemittelteimmer je drei Grabstätten zu einem gemeinsamen Hügel vereinigt. Auf dem FriedhofePire Lachaise in Paris höhlt man den festanstehenden Kalkstein zu tiefen oblongenGruben aus, in welche 5—6 Särge übereinander gesetzt werden, durch horizontaleSteinplatten, die auf kleinen Eckvorsprüngen ruhen, getrennt. Derartige Gräber werdendort auch als Familieugrabstätten benutzt. Das Eiuzelgrab ist entweder eine Erdgrube,über welcher die ausgehobene Erde als Hügel aufgehäuft wird, oder, wie in Italien üblich, eine mit einer Tafel geschlossene Nische in einer Arkadenwand. Dicht über- undnebeneinander angeordnet, gestattet dieses Verfahren die möglichste Ausnutzung desRaumes. Das letztere Verfahren ist auch dasjenige, welches in den Katakomben, d. h.unterirdischen Begräbnisstätten Roms, am meisten vorkommt.
Das Verbrennen der Toten war bei Griechen und Römern und den von ihnenabhängigen Völkern bis in die christliche Zeit hinein üblich, zur Verzweiflung der heutigenAnthropologen, welchen über Jahrhunderte hin das Material zur Erforschung der körper-lichen Beschaffenheit des Menschen dadurch entzogen wurde. Die Urnen mit Knochen undAscheuresten wurden in mannigfaltiger Weise beigesetzt: in Kolumbarien, d. h. Grabkammern,welche mit zahlreichen Nischen versehen waren, ähnlich den damals üblichen Gebäuden fürTaubenzüchtung, oder in Einzelgräbern vor den Thoren der Stadt die Heerstraßen entlang,wie in Pompeji und an der Via Appia in Rom , oder in großartigen Mausoleen, wie diedes Augustus und des Hadrian . Neuerdings hat man das Verbrennen der Toten wiedereinführen wollen, nunmehr abe.r nicht auf offenen Scheiterhaufen, wie die Alten sie ver-