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Erster Band. Entwickelungsgang und Bildungsmittel der Menschheit.
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Sanitäre Wohlfahrtseinrichtungen der Städte: Friedhöfc. zg?

Friedrich Wilhelm III. und Wilhelm I. und ihre Gemahlinnen sind in unterirdischenGrüften, deren Stellen hier ein darüber aufgebautes sarkophagartiges Denkmal mit demliegenden Marmorbild des Verstorbenen bezeichnet, im Mausoleum zu Charlottenburg bei-gesetzt. Das Bestatten in Kirchen, früher allgemein üblich, wird jetzt nur ausnahmsweisezugelassen. Doch sind einige kellerartige Räume unter Kirchen bekannt, in welchen sichLeichen, auch nicht eingesargt, jahrhundertelang gehalten haben; so im Dom zu Bremen ,in der Thomaskirche zu Straßburg i. E. Eine umfangreiche derartige Grnftkapelle inPalermo dient einer großen Zahl frei aufgestellter eingetrockneter Erdenpilger vergangenerZeiten als letzte Wohnung. Freistehende oder einer Friedhofswand angefügte kapellen-artige Bauten, welche die in mehrfache dichte Sarghüllen eingeschlossenen Reste Verstorbenerumgeben, sind auf allen unsern Friedhöfen zahlreich vorhanden.

In der Gesamtanlage unterscheidet man den vorwiegend architektonischen Fried-hof, das Oainim sank», welcher in Italien üblich ist, und den in Österreich, Deutschland ,Frankreich, England, Nordamerika gebräuchlichen Parkfriedhof. Das (lampo kmntoumschließt ein oder mehrere Felder, welche Reihengräber enthalten, mit Arkaden, in derenWänden schubladenartige gemauerte Grabnischen untergebracht sind. Architektonisch be-deutsame Stellen, wie die Ecken und die Mitten der Arkaden sind durch Kapellenbantenfür Einzelgräber bezeichnet. Zahlreiche Statuen, aus blendendem Marmor mit der ganzenGlätte und Raffiniertheit italienischer Technik verfertigt, bezeichnen die Grabstätten derwohlhabenden Familien; oder berühmter dahingegangener Mitbürger. Die Eingänge sindgroßartig geschmückt, eine prächtige größere, der Einsegnung der Toten dienende Kapellebildet das Hauptstück. Berühmt sind die 6anrxi santi zu Bologna und Pisa , welcheauf ebenem Boden liegen. Prachtvoll an Bergeshängen liegen die Friedhofsanlagen z»Genua, zu Florenz bei Sän Miniato, zu Rom bei S. Lorenzo, in Neapel und Messina .

Die parkartigen Friedhöfe enthalten die Reihengräber in großen Feldern von etwa50 m Seite. An Bauwerken Pflegen auf ihnen vorhanden zu sein: die Portale mit Portier-wohnungen, am Hauptportal ein Platz zum Aufstellen der Wagen, zuweilen auch eine Remisefür Leichenwagen, ferner eine Kapelle zum Einsegnen der Leichen am Eingang oder imMittelpunkt der Anlage; Leichenhäuser mit Wärterlokalen und Seciersaal; endlich Amts-lokale für Geistliche und Ärzte, Wohnungen für Verwalter, Gärtner und Totengräber.Auf jüdischen Friedhöfen kommt noch eine Brunnenschale im Borhof, zum rituellen An-ließen der Hände, hinzu. Ansprechende Gruppierungen der Friedhofsbaulichkeiten, meist inVerbindung mit dem Haupteingang, weisen der neue Friedhof zu Brannschweig, derjenigeder Annenparochie zu Löbtan bei Dresden, der zu Sachsenhausen bei Frankfurt a. M.und der zu Stöcken bei Hannover auf.

In großen Städten Pflegen die Friedhöfe der verschiedenen kirchlichen Einzel-gemeinden oft so nahe nebeneinander zu liegen, daß sie zusammenhängende Gruppenbilden. So in Berlin die Friedhöfe in der Hasenheide und die an der Chausseestraße,welche früher, wie allgemein üblich, außerhalb der Stadt lagen, jetzt allseitig von Häuserneingeschlossen sind. Bei Nenanlagen empfiehlt es sich für große Städte, von vornhereinsolche in ausreichendem, erheblichem Umfang zu planen, wie dies im Zentralfriedhof zuWien geschehen ist. Hier ist die Anlage eine konzentrische.

In der Mitte erhebt sich die Kapelle, ringartig umschlossen von einer weiten ovalen Arkade,welche selbst zu Begräbnissen dient. Der freie Raum zwischen Arkade und Kapelle ist fürErbbegräbnisse bestimmt. Ein zweiter Ring, nach drei Seiten halbkreisförmig erweitert, schließtdie Einzel-(eignen) Gräber ein, während die außerhalb des zweiten Ringes befindlichen Felderdie Reihengräber aufnehmen. Um eine zu auffällige Trennung der drei Gattungen von Gräbernzu vermeiden, ist vorgesehen, daß die Hauptwege innerhalb des äußeren Ringes mit Erbbegräb-nissen, außerhalb desselben mit Einzelgrüsten begrenzt werden. — Vom Haupteingange aus führteine breite Mittelallee zur Kapelle, von der aus quer und diagonal angelegte Straßen undWege die Ringe durchschneiden und den Zugang zu den einzelnen Gräbern sehr bequem vermitteln.

Zu völlig landschaftlichen Anlagen gelangt man, wenn man die Reihengräber mög-lichst einplaniert, die Wege nicht in rechtwinkelig sich schneidenden geraden Linien, sondernin geschwungenen Formen, einem leichtwelligen Boden sich anschmiegend, führt, die Denk-mäler und Kapellen nach malerischen Gesichtspunkten verteilt, etwaige Stellen undurch-