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Erster Band. Entwickelungsgang und Bildungsmittel der Menschheit.
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Städtisches Feuerlöschwesen.

Im Jahre 1602 erhalten wir aus Nürnberg die Nachricht von einer neu erfundenen„wunderbaren Spritze, mit der die Höhe eines jeden Hauses, so hoch es auch sein möge,erreicht, die nach allen Richtungen gewendet, von zwei Männern getrieben und von einemeinzigen Pferde gezogen werden könne." Von da ab mehren sich die Berichte aus ver-schiedenen Städten über die Beschaffung des neuen Gerätes, das mit einem Wenderohrzur Leitung des Wasserstrahls versehen war, welchem aber noch der Windkessel fehlte.Namentlich aber kannte man noch nicht die Benutzung der Schläuche. Des Wind-kessels wird erst seit dem Ende des 17. Jahrhunderts Erwähnung gethan. Zur selbenZeit ward der Spritzenschlauch durch van der Heyde,in Amsterdam erfunden. Zuerstbediente man sich ausschließlich genähter Lederschläuche. Seit dem Jahre 1809 wurdengenietete Schläuche hergestellt. Der nahtlose Hanfschlauch ist etwa seit 1720 in Gebrauch.Der Hanfschlauch mit innerer Gnmmieinlage, jetzt allgemein verwendet, wurde 1847erfunden. Das zum Feuerlöscher: benötigte Wasser wurde anfänglich mit Eimern inden Kasten der Spritze geschafft, dann durch eine bewegliche Wasserpumpe hinein-befördert. Die erste Zeichnung eines biegsamen Saugeschlauchs datiert von 1724.

Inzwischen ging man in Verbesserung der feuersicheren Bauart immer weiter. In-folge der billigen Eisenpreise und der zahlreichen Neuerungen in Herstellung unverbrenn-licher Decken aus Zement mit Eiseneinlage ist heute der feuersichere Zwischenbvden schonnicht teurer als die sonst übliche Holzbalkenkonstruktion. Wohnhausbrände sind daherauch in Europa in den größeren Städten ziemlich selten geworden. In Amerika , woman sehr hohe Gebäude im Innern zuweilen recht leicht ausführt, sind leider immer nochviele schwere Brandnnglücke, namentlich in Gasthäusern, zu verzeichnen. Die Feuer-gefährlichkeit der Theater, von denen noch Goethe sagte: „Man stopft das Brennlichstezusammen, da steht's denn bald in hellen Flammen", hat man seit dem verhängnisvollenBrande des Ringtheaters in Wien (1881) unschädlich zu machen gesucht durch Anordnungvon Schloten über dem Bühnenraum, Regenvorrichtungen, imprägnierte Versatzstücke,eisernen Vorhang, Ausschluß der Gasbeleuchtung und Ersatz derselben durch elektrischesLicht, Notlampen, n«ch außen schlagende Thüren, feste Rettnngsleitern, Verbot unbeweg-licher Sitze und Anordnung geräumiger Gänge im Zuschauerraum. Höchst feuergefährlichverbleiben aber immer der Inhalt, nicht die Gebäude, der Speicher, Warenlager, Fabrikenund Mühlen. Von den Speichern ging der Brand in Hamburg aus, welcher 1842 vom5. bis 8. Mai 75 Straßen mit 4219 Wohnhäusern und drei Kirchen zerstörte und zahl-reiche Menschenleben kostete. Auf baulichem Wege wird sich für derartige Anlagen schwer-lich Abhilfe gegen die Wiederkehr von Brandschäden schaffen lassen.

Zum Ausgleich des Pekuniären Schadens durch Brand haben sich zahlreiche Ver-sicherungsgesellschaften gebildet, welche die Last des Unglücks von den Schultern des ein-zelnen auf die Gemeinsamkeit übertragen. Dem Schaden wirksam vorzubeugen, machtensich seit Anfang der vierziger Jahre die Feuerwehren zur Aufgabe. Welche Stadt dieerste moderne Feuerwehr einrichtete, läßt sich nicht mit Sicherheit angeben. Unter diefrühesten gehört jedenfalls Meißen , wo am 7. Juli 1841 ein freiwilliges Lösch- undRettungskorps errichtet wurde. Die älteren Feuerwehren jener Anfangszeit waren meistPflichtfenerwehren, d. h. solche, deren Mannschaften sich ans freien Stücken zu ge-meinsamen Übungen und zur Hilfeleistung bei Bränden verpflichteten oder in ihrer Eigen-schaft als Bürger eines städtischen Gemeinwesens seitens der Behörde verpflichtet wurden.Es ist dabei nicht ausgeschlossen, daß den Mitgliedern oder doch einem Teile derselbenfür den einzelnen Fall ihrer Thätigkeit ein Honorar gezahlt wird. Solche Feuerwehrenbestehen noch vielfach in kleineren Orten als einzige Löschmannschaft, und in größeren nebeneiner Mannschaft, welche den Feuerwehrdienst als Beruf betreibt. In großen Städtenund namentlich da, wo große Werte infolge lebhaften Handels zu schützen sind, kommtman um ein ständiges Korps berufsmäßiger Feuerwehrleute nicht hinweg.

Die notwendigsten Erfordernisse eines geordneten Löschwesens sind rasches undsicheres Bekanntwerden der Brandstelle, schnelles Herbeieilen der Löschmannschaften, ein-geübte Bedienungsmannschaft, einheitliches Kommando, hinreichender Wasservorrat, zweck-mäßige Ausrüstung und gute ausreichende Gerätschaften.

DaS Buch der Erfind. I.

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